Das Medium - Der Schokostreit in Norwegen

Kampf um Schokolade

Kolumne Von

Der Kampf um das Menschenrecht auf »Lohengrin«-Schokolade geht in Norwegen nun in die zweite Woche – und wird, wie sich das für moderne Zeiten gehört, selbstverständlich weitgehend im Internet geführt. 13 000 Mitglieder hat die Facebook-Gruppe der »Lohengrin«-Freunde mittlerweile, die hauptsächlich stolz Fotos von den Schokoriegeln posten, die sie noch kaufen konnten. Ganz einfach ist es nämlich nicht mehr, noch welche zu ergattern, jetzt, wo das halbe Land zumindest noch einmal »Lohengrin« essen möchte – entsprechend sind die begehrten Stückchen in den großen Supermärkten der Städte wohl schon ausverkauft. Und so greifen einige Verzweifelte zu – tja, vielleicht fiesen Tricks. »Das ist mein Vater«, ist beispielsweise das Bild eines älteren Mannes überschrieben, »er wird demnächst 70 Jahre alt und wir dachten, es sei doch sicher eine tolle Überraschung, wenn wir ihm ganz viele ›Lohen­grins‹, am besten natürlich 70 Stück schenken.« Gute Idee, aber auch nur vielleicht, denn die Kinder des bald 70jährigen wollen die Riegel gar nicht selbst kaufen, sondern andere Schokofans dazu animieren, ihnen »Lohengrin« zu schicken, was wohl eher nicht dafür sorgen wird, dass der Jubilar wirklich viele »Lohen­grins« auspacken kann.

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Auch die Online-Petition für die sofortige Wiederaufnahme der Schokoproduktion ist nicht sehr ­erfolgreich, was aber vor allem daran liegen dürfte, dass die »Lohengrin«-Fans den ganzen Tag lang ihre Lieblingssüßigkeit jagen und dann abends viel zu erschöpft sind, noch ihre Unterschriften unter Eingaben zu setzen. Aber wenn die »Lohen­grins« erst einmal wirklich selbst in den abgelegensten Geschäften nicht mehr zu finden sind, wird sicher petitioniert wie nur was. Und vielleicht demonstriert und gestreikt, der Kampf geht schließlich weiter, immer weiter, das steht mal fest.