Homestory #25

Diese Woche gab es in der Redaktion ihrer kleinen Lieblingszeitung eine sehr schlechte und eine sehr gute Nachricht.

In Russland steht es um die Pressefreiheit nicht zum Besten, das wussten wir ja. Ein wenig überraschend ist es dann doch, wie empfindlich die dortigen Behörden sind. Unser Autor Lukas Latz wurde von der Polizei vernommen und musste das Land verlassen, weil er im ­April in der Jungle World (16/2019) über Proteste gegen ein geplantes Kupferbergwerk berichtet hatte – das wurde als Verstoß gegen seinen Aufenthaltsstatus gewertet. Na ja, werden Sie nun vielleicht sagen, so ist das eben in Russland. Aber nicht nur die üblichen ­Verdächtigen schränken die Pressefreiheit immer stärker ein. Auch in der EU ist sie gefährdet, wie Sie in der aktuellen Ausgabe lesen können. Und zwar nicht zuletzt durch die populistische und extreme Rechte, durch Leute also, für die Wladimir Putin ein leuchtendes Vorbild ist. Passenderweise ist der Vorsitzende der Deutsch-Russischen Parlamentariergruppe der AfD-Abgeordnete Robby Schlund (schade, dass Namenswitze bei uns streng verboten sind); er leitet eine Delegation, der auch Gregor Gysi (Linkspartei) und Jürgen Trittin (Grüne) angehören. Sie flogen ungefähr zu dem Zeitpunkt nach Russland ein, als unser Autor ausfliegen musste, und wollen natürlich einen »kritischen Dialog« führen, sicherlich auch, wenn sie Gazprom besuchen. Ob Gerhard Schröder dort persönlich den Wodka servieren wird, war bei Redaktionsschluss nicht bekannt.

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Womit wir bei einem erfreulicheren Thema wären. Natürlich nicht Gerhard Schröder, sondern Schnaps. Zu den seit Monaten in der ­Redaktion am hitzigsten debattierten Themen gehört die Frage, ob der israelische Schnaps Tubi 60 ein Beweis für die grenzenlose Innovationskraft des Landes auch im Genussmittelbereich ist oder es sich hier um einen bedauerlichen Irrläufer der Destillationskunst handelt. Nicht dass Sie jetzt denken, wir wären hier ständig am Saufen. Nur zu den höchsten feierlichen Anlässen kann es vorkommen, dass in diesen Räumen Alkohol konsumiert wird. Und auch das ist nicht immer der Fall, etwa, wenn ein freudiges Ereignis sich an einem Sonntag und fern der Redaktion abspielt. Erschwerend kommt hinzu, dass die betreffende Kollegin derzeit zur Abstinenz verdammt ist, die Fairness verpflichtet uns hier zu etwas Phantasie. Deshalb erheben wir nun – und Sie, liebe Leserinnen und Leser, dürfen gerne mitmachen – im Geiste unsere imaginären ­Gläser, in denen wir uns unseren Lieblingsschnaps vorstellen, für ein »Mazel tov!« zur Begrüßung des jüngsten Jungle-Kindes.

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