Heidi Klum, Adorno und andere Promis

Homestory #33

Ihre Lieblingszeitung geht auf große Reise. Raten Sie mal, welches Verkehrsmittel wir nehmen.

Schon wieder nur dieser Promi- und Beauty-Mist! Wartezimmer beim Orthopäden, es kann länger dauern, und das Zeitschriften­angebot ist leider sehr dürftig. Es gibt nur als Illustrierte getarnte Werbeblätter mit Klatsch über Prominente, hässlicher Mode und unnötigen Styling-Tipps. Oder für die Hartgesottenen ein Prothesenmagazin. Die qualitativ hochwertige Eigenproduktion aus dem Hause Jungle World, die Sie gerade in den Händen halten oder über Ihren Bildschirm gleiten sehen, ist leider nicht zu finden, auch nicht in der eigenen Tasche.

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Es gibt allerdings tatsächlich Menschen, die sich für Promi-Klatsch interessieren, wie eine knallharte ­Recherche in der Berliner U-Bahn ergeben hat. Da unterhielten sich zwei Frauen mittleren Alters einige Sitzreihen entfernt angeregt über die Hochzeit von Heidi Klum auf Capri, fieberten richtig mit. Sie fanden das mediengeile Auftreten der alten Nervtante zwar auch unangenehm, gleichwohl befriedigte es offenbar ihr Bedürfniss nach etwas zum Mitfiebern und sich Aufregen.

Nun kann man dem Medienproletariat natürlich seine profanen Freuden lassen – solange es keine Ausländer anzündet, ist doch fast alles okay. ­Gegen den Konsum spannenderer, bereichenderer oder zumindest kritischerer Medienformate ist aber auch nichts einzuwenden. Und promi- und modefern geht es ja selbst in der Jungle World nicht zu, wie Sie sicher bestätigen können.

Die Promis sind hier nur eben manchmal etwas andere. Keine Ausgabe ohne Adorno: »Beauty ist mir schnuti«, um einen bekannten Aphorismus des kritischen Theoretikers zum Thema anzubringen. Orthopädentermine gehören in der Redaktion der Jungle World übrigens zu den – naja, Lieblingsbeschäftigung ist wohl der falsche Begriff – häufigsten Gründen für Fehlstunden während der Arbeitszeit. Das viele Sitzen – »das neue Rauchen« – macht doch einigen hier zu schaffen. Sportverletzungen gibt es allerdings auch des Öfteren.

Der Grund für oben genannten Wartezimmeraufenthalt war allerdings ein Sturz beim Tragen eines Sportgeräts, ohne dieses selbst benutzen zu wollen. Mit dem Herumgehocke in der Redaktion wird es allerdings bald vorbei sein, denn es geht für die Jungle World auf große Fahrt beziehungsweise Flug. Darf man das in Klimakollapszeiten noch zugeben? Aber bitte nicht böse sein, das Zielland ist per Boot oder auf dem Landweg doch etwas umständlich zu erreichen. Sie wissen es ja schon längst: Israel! Wir sind schon »megaexcited«, wie man in Berlin so schön sagt. Aber die wichtigste Frage ist noch ungeklärt: Was ziehen wir bloß an?

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