Platte - Die Sauna, »So schön wie jetzt war es noch nie«

Irgendwann knallt’s doch

Kolumne Von

Die Band Die Sauna kommt aus Bayern. Kennengelernt hätten sich die sechs männlichen Mitglieder, wie sie  mal erzählten, in solch einer Schwitzstube. Das allerdings stellte sich bald als falsch heraus. Ziemlich wirr das Ganze, und cool klingt es auch nicht gerade: Bayern, erlogene Entstehungsgeschichte, viele Männer, Gitarren. Langweilig. Die Sauna könnten so richtig out sein, so unzeitgemäß, wie sie sind, hat die Band es aber trotzdem geschafft, mit »So schön wie jetzt war es noch nie« ein groß­artiges Debütalbum bei Buback zu veröffentlichen – einem Label also, das noch nie so richtig out war.

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»Kann man überhaupt noch rebellieren?« fragt Sänger Matthias Berg gleich im zweiten Song des Albums, »Das geometrische System«. Mit seiner etwas brüchigen, hohen Stimme gibt es allerdings keine Antwort darauf. Die Band stellt nur Fragen, bohrt nach und überhaupt: Was ist der Sinn des Lebens? Aber: Ihr ­Album als solches ist ja schon Rebellion genug. Diese unkorrekten Texte, die alles und nichts ­bedeuten können, aber dabei keine Phrasen ­aufgreifen. Die in die Länge gedehnten ­Drones und rohen Riffs, die ganz zäh plätschern und rumoren, mal zaghaft, mal grob von Drum-Sounds und Stimmen unterbrochen und ergänzt werden. Die Sauna ­spielen Post-Punk und Indierock, klingen aber auch ein wenig wie das improvisierte Sound-Gewusel aus der Krautrock-Kommune Amon Düül, die sich Ende der sechziger Jahre in München gebildet hatte.

Die Musik von Die Sauna, das ist das Interessante, fließt, ist trotz ­ihrer Störrigkeit verständlich und hörbar. Der Sound ist ein Einspruch und eine – womöglich sogar unfreiwillige – Rebellion gegen die Mechanismen des Streaming, gegen die schnellen Attraktionen und die blöde, absolute Klarheit in den Texten ­vieler Bands derzeit. Bei Die Sauna muss es nicht sofort knallen, muss nicht jeder angesprochen werden, aber nach einigen Minuten Gitarrenwirrwarr und kryptischen Fragen knallt’s dann doch.

Die Sauna: So schön wie jetzt war es noch nie (Buback)

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