Wer ist Saskia Esken?

CDU, hör’ doch mal zu!

Reportage Von

Wer ist Saskia Esken? Diese Frage bewegt das politische Berlin derzeit, von einem Flur der Welt-Redaktion zum nächsten. Ist sie wirklich eine in der Wolle gefärbte Bolschewistin, die innerhalb der nächsten fünf Jahre die Mietpreise deckeln, die Produktionsmittel verstaatlichen und die 400 reichsten Familien im Land füsilieren möchte? Oder ist sie vielmehr ein politisches Leichtgewicht aus der hintersten Provinz, eine vollends Ahnungslose, deren bislang höchstes Amt die Führung der gemeinschaft­lichen Kaffeekasse der Elternvertretung war?

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Wer sich auf die Suche nach der esken Saskia Echten, pardon, echten Saskia Esken machen möchte, muss eine ganz Weile recherchieren. Das beginnt schon mit dem Wohnort: Auf Ihrer Homepage heißt es, dass sie im Wahlkreis Calw/Freudenstadt sitzt, die Adresse ihres Büros ist jedoch in Calw angegeben. Esken, die Unentschlossene, Esken die Taktiererin. Calw, das ist die Stadt von Hermann Hesse, dem Verfasser mehrerer bekannter Bücher wie dem »Glasperlenspiel«. In diesem Roman geht es um einen Orden von der Wirklichkeit abgekoppelter Esoteriker, die sich zweckfrei sinnlosen Gedankenexperimenten widmen. Hat Esken Teile des revolutionären SPD-Programms »CDU, hör’ doch mal zu« bei Hesse abgeschrieben? Ruft man in ihrem Büro in Calw an, will diese Frage niemand beantworten, jedenfalls nicht um viertel nach neun am Sonntagabend, als dieser Text entsteht. Bürgernähe sieht anders aus.

Schon jetzt kristallisiert sich in der Presse die Strategie heraus, sie wie eine Art deutsche Greta Thunberg zu behandeln, sie also lächerlich zu machen und zugleich vor den mit ihr verbundenen Gefahren zu warnen. So entnimmt man Wikipedia, ihr Mann sei im Ruhestand und als Vorsitzender des Vereins Württember­gische Schwarzwaldbahn Calw tätig. Zugleich behauptet der Schwarz­wälder Bote vom 14. Mai, Roland Esken sei als Kassierer des Ortsvereins Bad Liebenzell bestätigt worden. Was stimmt denn nun? Ein undurchsichtiges Spiel mit Ämtern, Geldern und Wohnorten, bei dem schon längst keiner mehr durchblickt. Eines ist gewiss: Saskia Esken wird uns bis zu ihrem Sturz in zehn Monaten noch viele Schlagzeilen bescheren!