Die Popularität der Schweiz

»Deutschland muss sterben, damit ich in der Schweiz leben kann«

Alice W. und die Popularität des Rechtspopulismus.
Die preisgekrönte Reportage Von

Was ist das Geheimnis der Schweiz? Genauer gesagt: Worin genau liegt der Reiz der Schweiz für Deutsche und umgekehrt? Und was ist das Erfolgsrezept der rechten Presse? Die Neue Zürcher Zeitung überzeugt mit veredeltem Trash-Journalismus mehr deutsche AfD-Wähler, als es bundesrepublikanischen Publikationen wie Compact oder Welt am Sonntag lieb sein kann. Bild zeigt sich derart beeindruckt vom Schweizer Medienschaffen, dass sie die ausgeflipptesten Weltwoche-Geschichten auf ihre ­Titelseite nimmt.

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Wir sprachen mit dem schweizerischen Schweiz-Experten Vabriel Getter, der derzeit im Exil in Basel lebt: »Die Schweiz ist für Populisten quasi durchgespielt, das politische System erlaubt schlichtweg nicht mehr Einflussnahme, als sie bereits haben. Alles, was bleibt, ist der Export!« Frage: Braucht die Schweiz überhaupt die minderwertigen deutschen Euro, die ihnen die Ausfuhr von Schmuddelnachrichten in die hochglanzpolierten Kassen spült? »Im Prinzip nicht, es geht eher um die Konsolidierung nach innen. Wenn in Deutschland eigens auf Deutschland zugeschnittene Nachrichten aus der Schweiz gut ankommen, erhöht das paradoxerweise die Glaubwürdigkeit des Mediums im Inland.«

Stichwort Alice W.: In Gütersloh geboren, in der Schweiz aufgewachsen und durch die Universitäten gepeitscht, mit einer Schweizerin verheiratet, fährt die Politikerin alle drei Wochen für zwei Stunden nach Deutschland, und auch das nur, um im grenznahen Lidl günstig einzukaufen. Die Mehrwertsteuer holt sie sich, wie die meisten Landsleute, bei der Rückkehr wieder zurück. »Ich bin ja nicht bescheuert«, kommentierte sie das bei Markus Lanz. In ihrer Wahlheimat Einsiedeln im Kanton Schwyz engagiert sie sich für das Revitalisierungsprojekt Wänibach, den Ausbau erneuerbarer Energien und das örtliche Geflüchtetenheim. »Den Hass spare ich mir für die Politik auf«, erzählt sie im kleinen Kreis.

W. lebt den Traum vieler Rechtspopulisten: sich in Deutschland wählen lassen, in der Schweiz damit Geld verdienen und es dann wiederum in Deutschland ausgeben. Mehr Systemkritik geht nicht. »Deutschland muss sterben, damit ich in der Schweiz leben kann«, liest man auf W.s Homepage. Was sie wohl damit sagen will?

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.