Die Feierlichkeiten zum »Tag der deutschen Einheit« in Halle

Show für Schland

Bei den Feierlichkeiten zum »Tag der deutschen Einheit« in Halle versuchte die Landesregierung von Sachsen-Anhalt, mit kuriosen Mitteln Werbung für Deutschland zu machen.

Manch einer in Halle an der Saale dürfte sich über einen halbwegs ruhigen Sonntag gefreut haben. Die offiziellen Feierlichkeiten zum 3. Oktober, dem »Tag der deutschen Einheit«, die dieses Jahr in der Stadt stattfanden, fielen klein aus. Normalerweise findet anlässlich des Feiertags ein mehrtägiges sogenanntes Bürgerfest statt, zu dem in der Regel Zehntausende kommen. Das gab es wegen der Covid-19-Pandemie nicht.

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Die Landesregierung von Sachsen-­Anhalt ließ sich die Gelegenheit, für Deutschland zu werben, allerdings nicht entgehen. Vom 18. September bis 3. Oktober fand in der Innenstadt von Halle die Großraumausstellung »Einheitsexpo 2021« statt, bei der die Bundesländer, die Verfassungsorgane und die Stadt Halle unter dem Motto »Gemeinsam Zukunft formen« Ausstellungsgegenstände in Glascontainern präsentierten. Das Bundesland Bremen etwa zeigte erwartungsgemäß eine Statue der Bremer Stadtmusikanten und bot den Besuchern Fischgerichte an.

Der Anschlag von Halle spielte in Bundeskanzlerin Angela Merkels (CDU) Rede zum »Tag der deutschen Einheit« keine große Rolle.

32 sogenannte Einheitsbotschafter, jeweils zwei aus jedem Bundesland, erzählten auf einer Reise durch Sachsen-Anhalt Geschichten über Deutschland, insbesondere über positive Folgen des Beitritts der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der BRD. »Sie erzählen, welches Projekt, welche Familiengründung, welches Erlebnis ohne die deutsche Einheit vielleicht nicht möglich gewesen wäre«, heißt es auf der vom Land Sachsen-Anhalt betriebenen Website »Tag der deutschen Einheit« über die Aktion.

Auch wer nicht zum Einheitsbotschafter auserkoren worden war, konnte etwas für Deutschland tun. Sachsen-Anhalt setzte die zwei Jahre zuvor von Schleswig-Holstein gestartete Kampagne »Einheitsbuddeln« fort. »Stell dir vor, am 3. Oktober würde jeder Mensch in Deutschland einen Baum pflanzen. 83 Millionen. Jedes Jahr. Ein neuer Wald. Für das Klima. Und für dich und deine Familie. Für unsere Zukunft.« So hatte der Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Daniel Günther (CDU), 2019 auf der Crowdfunding-Plattform Bet­ter­place um Spenden für die Baumpflanzaktion geworben. In der Dö­lau­er Heide am Stadtrand von Halle pflanzten Lokalmedien zufolge am Sonntag rund 100 Menschen über 3 000 Bäume.

Am Abend desselben Tags fand an der Burg Giebichenstein eine vom Land Sachsen-Anhalt in Auftrag gegebene knapp 20minütige Show mit rund 1 000 Zuschauern statt. Die Burg wurde in den Farben der deutschen Flagge beleuchtet, Landschaftsaufnahmen wurden auf die Fassade projiziert. Am Fuß der Burg spielte das sogenannte Einheitsorchester, die deutsche Nationalhymne erklang. Weil man sich, wie Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) Ende ­September gesagt hatte, »digital, nachhaltig und zukunfts­gerichtet präsen­tieren« wollte, gab es kein Feuerwerk: Über der Burg flogen knapp 200 Drohnen, die in unterschiedlichen Farben leuchteten und mehrfach die Forma­tion wechselten. Unter anderem ein Trabi, ein Stück der Mauer zwischen BRD und DDR, das nach kurzer Zeit in sich zusammenfiel, und das Brandenburger Tor waren am Himmel zu sehen.

Zuvor hatten Haseloff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim offiziellen Festakt in der Georg-Friedrich-Händel-Halle gesprochen. In Mer­­kels Rede spielte der antisemitische und rassistische Anschlag, den der Rechtsex­tremist Stephan Balliet am 9. Oktober 2019 in Halle verübt hatte, keine große Rolle. Sie sagte, allzu schnell mündeten »verbale Attacken in Gewalt – so wie es die Ermordung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke, der Anschlag auf die Synagoge hier in Halle, das Attentat von Hanau oder die Ermordung eines 20jährigen Tankstellenmitarbeiters in Idar-Oberstein zeigten«. Die Worte »rechtsextrem«, »rassistisch« und »antisemitisch« kamen in ­ihrer Rede nicht vor. Auch über die rechtsextreme Gewalt, die Anfang der neunziger Jahre vor allem in Ostdeutschland eskalierte, sprach sie nicht. Über die angeblichen Probleme ehemaliger DDR-Bürger redete sie hingegen viel. Haseloff erwähnte den Anschlag nicht einmal.