Homestory

Homestory #48

Weil das Private bekanntlich politisch und das Politische schnell mal privat ist, lohnt es, sich den Koalitionsvertrag zwischen SPD, Grünen und FDP genauer daraufhin anzuschauen, ob und was sich jetzt für einen selbst ändert. Einige Kollegen und Kolleginnen haben in das Pamphlet reingelesen und zum Beispiel festgestellt: »Wow, ich darf jetzt Blut spenden!« Es handele sich dabei um richtig gutes Blut, wie der betreffende Kollege versichert. Sogar seine Ärztin war begeistert, denn so ein tolles Blut habe sie noch nie gesehen. Leider muss die Welt aber auch nach dem Ende des Verbots für homosexuelle und bisexuelle Männer, Blut zu spenden, ohne das des Kollegen auskommen, da er panische Angst vor Spritzen hat. Apropos: Ängste, Stress und Ärger dürfen dem Cannabis-Zugeneigte jetzt ganz legal abbauen. »Gespannt auf Qualität und Preis des Staats­dope« ist ein Kollege, der im durch den Koalitionsvertrag wabernden grünlichen Nebel aber nichts Genaues darüber findet, wo die entsprechenden Abgabestellen eingerichtet werden sollen. Vermutlich einfach den Hinweisschildern zum »1,5-Grad-Pfad« folgen, die der zukünftige Landwirtschaftsminister mit einschlägigen Kenntnissen im Hanfanbau noch aufstellen lässt.

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Davon abgesehen hält der Koalitionsvertrag für die Redakteurinnen und Redakteure ihrer Lieblingszeitung nur Arbeit und Cringe-Momente bereit. Arbeit, weil absurde Sätze wie »Wir machen längeres, gesünderes Arbeiten zu einem Schwerpunkt unserer Alterssicherungspolitik« einem ganz schön Kopfschmerzen bereiten können. Besonders bösartig sind Ideen wie diese: »Auch die Möglichkeit für erwerbsgeminderte Personen sowie für Rentnerinnen und Rentner in der Grundsicherung, mit einer Erwerbstätigkeit ihr Einkommen zu verbessern, wollen wir ausweiten.« So etwas wird von den Koalitionären in einer Art vorgetragen, als sei man im Kindergarten.

Ein Kollege musste die Pressekonferenz frühzeitig ausschalten, kein Wunder bei Robert Habeck, der nicht nur mit seiner Belehrung Saskia Eskens (»Saskia, Annalena ist dran«) für geradezu körperliches Unbehagen sorgte. Die Jungle World macht sich Sorgen aufgrund der passiv-aggressiven Stimmung innerhalb der Koalition und empfiehlt, ohne es vorher getestet zu haben (unsere Sitzungen laufen sehr friedlich ab), mal zu versuchen, die Regel zu befolgen, dass nur derjenige reden darf, der einen bestimmten Gegenstand in der Hand hält. Aber welchen? Einen Teddybären? Bären, nein, zu russisch. Einen Stock? Zu phallisch. Bleibt nur noch ein Ball übrig. Ballspielen am Koalitionstisch: eben wie im Kindergarten.