Der Beginn der Saison der Basketball-Bundesliga

Husch, husch zu den Körben

Bei der Basketball-Europameisterschaft der Männer erreichte die deutsche Nationalmannschaft den dritten Platz. Nun hoffen die ­Funktionäre, dass der Erfolg auf die gerade angelaufene Saison der Basketball-Bundesliga abfärbt.

Am Mittwoch vergangener Woche eröffnete der deutsche Meister Alba Berlin die neue Saison der Basketball-Bundesliga (BBL) mit einem Heimsieg gegen die Hamburg Towers. Gerade einmal zehn Tage zuvor hatte die deutsche Basketball-Nationalmannschaft in derselben Halle bei der Europameisterschaft der Männer etwas überraschend Bronze gewonnen. Viel war in den Tagen davor und danach darüber diskutiert worden, ob und inwiefern der deutsche Basketball von der beeindruckenden Leistung auf dem Parkett sowie dem beachtlichen Interesse von Medien und Fernsehzuschauerinnen und -zuschauern profitieren kann.

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Drei Millionen Menschen hatten die Halbfinalniederlage der deutschen Auswahl gegen Spanien im analogen Fernsehen bei RTL verfolgt. Für eine Sportübertragung jenseits des Fußballs ist das eine mehr als ­beachtliche Zahl. Ähnliche Zahlen dürfte die BBL jedoch vorerst nicht ­erreichen. »Dass ein einzelnes Turnier sofort alles verändern kann, ist ein Mythos«, sagte Steffen Holz, der Geschäftsführer der BBL. »Das hat auch im Handball oder Eishockey noch nie funktioniert.«

Der neue Streamingdienst Dyn überträgt nicht nur die Basketball-Bundesliga, sondern auch die Bundesligen im Volleyball, Handball und Tischtennis.

Dennoch gibt es für die BBL bereits Veränderungen: Ab der kommenden Spielzeit nämlich werden die Spiele der Liga nicht länger auf Magenta Sport, einem Bezahlsender der Deutschen Telekom, übertragen, sondern auf der Plattform des neuen Medienpartners Dyn. Hinter diesem verbirgt sich ein joint venture von Christian Seifert, dem ehemaligen Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), und dem Axel-Springer-Konzern. Auch die ARD ist als Medienpartnerin dabei.

Die BBL erhält durch den zunächst über sechs Jahre laufenden Vertrag mit Dyn nicht nur mehr Geld, die Liga erhofft sich auch größere öffentliche Wahrnehmung. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, denn das Konzept des Streaming-Dienstes erscheint überaus schlüssig. Es sieht vor, nach Möglichkeit alle relevanten deutschen Sportligen, in denen nicht Fußball gespielt wird, in einem Abonnement zu vereinen und dieses durch attraktive europäische Wettbewerbe zu ergänzen. So überträgt Dyn nicht nur die BBL, sondern auch die Bundesligen im Volleyball, Handball und Tischtennis. Nur die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) entschied sich dafür, ihren Vertrag mit dem An­bieter Magenta Sport zu verlängern.

Die BBL hat also durchaus gute Gründe dafür, positiv in die Zukunft zu sehen. Um die Gegenwart ist es ­jedoch ebenfalls alles andere als schlecht bestellt. Auch wenn die wichtigsten Stars des deutschen Teams bei der EM – Dennis Schröder, Daniel Theis und Franz Wagner – in der nordamerikanischen National Basketball Association (NBA) engagiert sind, spielt doch immerhin die Hälfte des zwölfköpfigen EM-Kaders in der BBL. Die nun deutlich bekannteren Namen dieser Spieler dürften durchaus neue Zuschauerinnen und ­Zuschauer in die Hallen und vor die Bildschirme locken.

Je zwei von ihnen spielen bei Alba Berlin und Bayern München, den ­unangefochtenen Spitzenmannschaften der Liga. Beide Teams treten auch in der Euroleague, dem prestigeträchtigsten Wettbewerb des euro­päischen Basketballs, an. Dort schafften es die Bayern zum zweiten Mal in Folge in die Playoffs, während für Alba bereits nach der Gruppenphase Schluss war. In der BBL waren die Berliner hingegen ein weiteres Mal das Maß aller Dinge. Dort gelang ihnen ein sogenannter three-peat, also der dritte Meistertitel in Folge. Hinzu kam der zweite Pokalsieg innerhalb von drei Jahren.

Das Duell der Mannschaften aus Berlin und München wird aller Voraussicht nach auch die angelaufene Spielzeit dominieren, wobei die Bayern diesmal zum Erfolg fast schon verdammt sind. Bereits in der vergangenen Saison waren die Bayern sehr nah dran am Titel. Am Ende war der Ausfall fast der gesamten Start­formation jedoch zu viel des Guten.

Zur neuen Saison hat Bayern München mit Isaac Bonga einmal mehr die namhafteste Neuverpflichtung präsentiert. Der combo guard Bonga hatte sich in der NBA bei den Los ­Angeles Lakers, den Washington Wizards und zuletzt bei den Toronto Raptors zwar nie wirklich durchsetzen können, in seinen vier Jahren in den USA konnte er jedoch viel Erfahrung auf höchstem Niveau sammeln und dürfte in München sofort eine Führungsrolle übernehmen.

In Berlin hingegen baut man auf Konstanz. Mit Oscar da Silva, den es zum FC Barcelona zog, gab es nur einen Abgang, mit Gabriele Procida und Yannick Wetzell nur zwei Zugänge. Das Team dürfte damit extrem gut eingespielt und mit seiner auf Kreativität und Zusammenspiel ­basierenden Spielanlage erneut ein aussichtsreicher Kandidat für den Meistertitel sein. Mit den Bronzemedaillengewinnern Maodo Lô und Johannes Thiemann sowie Publikumsliebling Luke Sikma und Jaleen Smith, der in der vergangenen Saison den Titel most valuable player (MVP) der Liga gewann, haben die Berliner auf jeden Fall neben Bayern den am prominentesten besetzten Kader zu ­bieten.

Wie es bei Alba Berlin über diese Saison hinaus weitergeht, ist hingegen überaus unsicher. Die Verträge fast aller Leistungsträger laufen zum Saisonende aus, der neue Trikotsponsor, der Gebrauchtwagenhändler Cazoo, hat sich bereits wieder aus dem deutschen Markt zurückgezogen, was dessen weitere Spon­sorentätigkeit zumindest fraglich macht. Dazu kommt, dass die Mer­cedes-Benz-Arena als Austragungsort zumindest der meisten Heimspiele ebenfalls nur bis Saisonende gesichert ist. Deren Eigentümer, die Anschutz Entertainment Group, würde die Halle lieber anderweitig nutzen. Ein altes Problem: Gleichwertigen Ersatz gibt es in Berlin nicht.

Ähnliche Probleme kennt man auch bei den Hamburg Towers. Dort ist man aus der heimischen Sporthalle im Stadtteil Wilhelmsburg mit ihren lediglich 3 400 Plätzen längst herausgewachsen. Zum zweiten Mal in Folge spielt das Team nun gleichwohl dort in dieser Saison in einem europäischen Wettbewerb und mit Raoul Korner, der aus Bamberg kam, hat man einen Trainer geholt, der für gehobene Ansprüche steht. Der Bau der geplanten neuen Halle namens Elbdome mit 9 000 Plätzen verzögert sich jedoch, weil es schwierig ist, einen geeigneten Standort zu finden.

Trotz der Auftaktniederlage gegen Alba gehören die Hamburger in der laufenden Saison gemeinsam mit den Teams aus Oldenburg, Bonn und Ludwigsburg zum erweiterten Favoritenkreis. Dass allerdings am Ende wirklich jemand anderes als Bayern oder Alba Meister wird, scheint nahezu ausgeschlossen. Zu weit sind die beiden – nicht zuletzt dank der Einnahmen aus der äußerst lukrativen Euroleague – dem Rest der Liga enteilt.

Eine echte Bereicherung für die Liga dürfte der Aufsteiger Rostock Seawolves werden. Dessen Stammverein EBC Rostock hat bundesweit die drittmeisten aktiven Mitglieder aller Basketball-Vereine und in der Nachwuchsliga JBBL ist man amtierender Vizemeister. Diese mehr als solide Basis spricht dafür, dass das Team sich durchaus dauerhaft im Oberhaus etablieren könnte.

Die Rostocker stoßen zu einem äußerst günstigen Zeitpunkt zur BBL. Dank der neuen Partnerschaft mit Dyn hofft das Team nach einer Phase der durch die Covid-19-Pandemie ­bedingten Konsolidierung nun wieder auf Wachstum. Sorgen bereiten allen Vereinen allerdings die steigenden Energiepreise, die den Basketball als Hallensportart besonders betreffen. Aber das ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, das auch gesamtgesellschaftlich gelöst werden muss.