Machtwort aus Rom

Die Mamas und die Papas

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Dem Mann aus Rom gelingt also, was der Frauenbewegung oder deren Überbleibseln schon lange nicht mehr vergönnt ist: Innerhalb von Stunden macht er den Paragraphen 218 zum Topthema - ein einziger Brief genügte, und den hat er wahrscheinlich nicht einmal selbst formuliert.

Man könnte neidisch werden. Über Nacht ist das leidige Thema wieder salonfähig - und alle sind sich einig: Der Papst ist ein böser Vater, ein Frauenfeind und, wie es aussieht, auch noch streng und ungerecht zur deutschen Katholikenelite. Die hatte sich noch im Frühjahr zu einem wahrhaft erstaunlichen "Kompromiß" in Sachen 218-Beratung durchgerungen: Der Schein, den die Frau beim Arzt vorlegen muß, um den gesetzlich geforderten Nachweis zu erbringen, darf ausgestellt werden. Allerdings nur, solange in der Beratung "neue und hoffnungsvolle Lebensperspektiven der betroffenen Frauen und ihrer Angehörigen" in den Vordergrund gestellt würden - und nicht die Konfliktberatung selbst.

1997 waren es rund 20 000 Frauen, die sich an die 270 Beratungsstellen des Sozialdienstes katholischer Frauen und der Caritas wandten. Ein Viertel von ihnen trug nach Angaben der Caritas die Schwangerschaft aus. Und immer wieder wird auch kolportiert, daß diese Statistik "positiver" als bei anderen Trägern sei. Auch wenn das nicht zutrifft - wer sich zu einer Abtreibung entschlossen hat, geht auch nicht unbedingt zur Caritas, um sich den Zwangsberatungsnachweis zu holen. Denn der ist im Grunde das Problem - und nicht der Papst und seine bischöflichen Frauenfreunde.

Doch darüber wird nicht nachgedacht. Große Worte versprechen großartige Veränderungen: Bischöfe werden zurücktreten, Kardinäle revoltieren - und Fördergelder umgeleitet werden. So jedenfalls sieht das Szenario aus, wenn der Vatikan die Botschaft endgültig bestätigt, daß der heilige Patriarchatspapa seiner deutschen Gefolgschaft die Beratung verbieten will. In einigen Bundesländern fiele das durchaus ins Gewicht - achtzig Prozent der Zwangsberatungen in Bayern werden unter kirchlicher Trägerschaft getätigt.

Wenn seine Jünger dem Papst schließlich gehorchen, werden dort bald allerlei Arbeitsplätze überflüssig. Dramatisieren muß man das jedoch nicht: Denn schon bald dürften Anstellungen bei den anderen Trägerorganisationen winken. Sollte sich der Papst durchsetzen, müßten die Beratungsstellen von Diakonie, Pro Familia und der Arbeiterwohlfahrt ohnehin expandieren: Selbst in ländlichen Gebieten wäre weiter für Beratungsstellen gesorgt. Doch das eigentlich Widersinnige bleibt - ob nun mit oder ohne päpstlichen Segen - der staatliche Zwang, den der Paragraph 218 jeder Frau verordnet.