Schöne schwarze Serie

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Die Linkspartei, eine insgesamt eher unseriös wirkende Vereinigung, versucht, besonders vertrauenswürdig und würdevoll zu erscheinen. Deshalb taucht sie ihre Kandidaten in die strenge Ästhetik des Film Noir und lässt sie ganze Sätze sprechen.

»Wow«, soll man denken, »die haben sich ja echt was überlegt. Keine billigen Sprüche, dafür ein frisches Victor-Hugo-Zitat, und für Farbe und anderen Schnickschnack müssen die auch nicht extra Geld ausgeben, weil sie richtige Inhalte zu bieten haben.«

Tatsächlich aber wirken die Männer, die da im Halbdunkel sitzen, als würden sie auf einen Auftritt als Zeitzeugen bei Guido Knopp warten, wo sie sich bspw. zum Scheitern von großen Ideen und totalitären Systemen äußern könnten. Irgendwie traut man es diesem Pärchen einfach nicht zu, dass es die Hintern hoch und die Arbeitslosenzahlen runter kriegt. Es sei denn, man glaubt ernsthaft, dass sich ein Land am besten aus dem Off regieren lässt.

Schön sind die Bilder trotzdem – Gysi in Plaudertaschenlaune und Lafontaine im dicksten, wärmsten und dunkelsten Anzug, der im Sommerschlussverkauf zu kriegen war. Oder ist es ein Mantel? So etwas jedenfalls trug zuletzt Ceausescu im Winter 1989.

heike runge