Geliebte Listen

Klick it!

von Maik Söhler

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Ich bin ein Freund der unterschiedlichen Textformate. Kommentar, Glosse, Interview, Reportage, Bericht, Feature – mir ist alles recht. Haupt­sache, es ist gut geschrieben. Aber ich muss auch zur Kenntnis nehmen, dass nicht jedes dieser Textformate im Internet gleich gut funktioniert. Der gemeine Durchklicker nimmt das eine Format gerne an und missachtet das andere sträflich – außer es steht irgendwas mit Sex oder Porno im Vorspann.

Besonders gut geklickt wird ein Format, das vom Netz aus der Popliteratur geklaut wurde: die Liste. Wenn wir dieses Thema größer angehen, so ist unter der Liste alles zu fassen, was von einer Startseite aus auf immer neue Unterseiten führt, also auch Bilderschauen, Artikel­serien und einzeln aufrufbare Tabellenplätze. Internetmedien lieben die Liste, weil sie große Mengen Klicks generiert. Und Klicks sind (neben Links) ja die Währung, mit der im Internet bezahlt wird. Ressorts werden, wie man hört, je nach Klicks mit einem höheren oder niedrigeren Budget ausgestattet. Das entscheidende Kriterium für Medien-Rankings sind Page Impressions (also Klicks) und Unique Visitors (also Klicks). Selbst Anzeigen werden überwiegend nach Klicks abgerechnet.

Bastelt nun der Online-Redakteur eine attraktive Seite mit 19 Unterseiten, so verzwanzigfacht sich im Idealfall seine Klick-Rate. Der Chefredakteur freut sich, weil sein Medium im nächsten Ranking gut abschneidet. Der Redakteur freut sich auch, weil das Budget für die nächsten drei Monate sicher ist. Und der Leser bzw. Klicker freut sich erst recht, weil es hier nicht viel zu lesen, aber besonders viel zu klicken gibt.

Nächstes Mal: Liste der schönsten Internetlisten

de.wikipedia.org/wiki/Page_Impression, de.wikipedia.org/wiki/Unique_Visit