Leichen wie wir

Klick it!
von Maik Söhler

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Vor Jahren bei Ebay eingeloggt, um mal was zu kaufen, und seither nie wieder dort gewesen. Als alle davon redeten, bei Facebook angemeldet, um zu sehen, was das eigentlich ist. Als wenige Aufträge reinkamen, einen Xing-Account angelegt, um im Netz besser präsent zu sein. Zu Recherchezwecken rein in Second Life, Ilike, Joost, Secret City, Verwandt.de, Frazr, Twitter, Freebase usw. usf., doch außer bei Joost und Freebase nie wieder hingegangen.

Zwei Drittel aller Ebay-Accounts sind inaktiv, befand neulich eine Studie. In Second Life sind knapp zehn Millionen Nutzer registriert, aber nur jeder Zehnte nimmt tatsächlich aktiv am Geschehen teil. Am 3. Oktober etwa, einem fürs Computerspiel günstigen Feiertag, waren mittags gerade mal 33 500 User online. Und wann waren Sie zum letzten Mal auf MySpace, wie lange liegt Ihr letzter Kommentar in Ihrem Dritt-Lieblings-Weblog zurück, bei dem Sie sich extra haben registrieren lassen?

Leichen pflastern unseren Weg – Account-Leichen. Solange sich Größe im Internet an der Anzahl der Nutzer und nicht am Umfang ihrer Aktivitäten bemisst und solange sich Werbekundschaft von solchen Zahlen beeindrucken lässt, wird niemand gezwungen, einen einmal erstellten Account auch wieder zu löschen.

Von altmodischen Käuzen und anderen Konkret-Lesern wird das Netz gerne als größte Müllhalde der Welt bezeichnet. Sie lägen damit so falsch wie immer, wenn all die ungenutzten Accounts nicht wären. Das ist wirklich Müll. Aber wen stört schon Müll, solange er nicht stinkt? Wie ästhetisch er sein könnte, wenn man ihn sichtbar machte, zeigt zum Beispiel Account-Leichenbewegung.de.

www.accountleichenbewegung.de

www.berkenheger.netzliteratur.net/sl/pr/

slurl.com/secondlife/Fishii/166/153/26