Teen spirit

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Was früher die Latschdemo, das ist heute der phantasievolle Widerstand. Demonstrierende Clowns, Tortenwerfer, das ist die Spezies, die in der globalisierungskritischen Bewegung wichtiger ist als der Schwarze Block. Folgt man dem Band »›Neuer Anarchismus‹ in den USA«, haben wir es hier mit den neuen Anarchisten zu tun. Ihr Treiben und ihre weitverzweigte Szene in den USA beschreibt Gabriel Kuhn anlässlich der WTO-Proteste 1999 in Seattle.
So richtig auf den Punkt kommt er dabei freilich nicht. Da geht alles bunt durcheinander, mäandert vor sich hin und er schenkt auch den kuriosesten Randerscheinungen der selbsternannten Freidenker Raum. Zwischendurch gibt es Manifeste und Erklärungen, die teilweise etwas von Erweckungsbotschaften haben und vor Floskeln triefen. Im Remix geht es also um die konkreten Ereignisse von Seattle, die Geschichte des Anarchismus an sich, seine Strukturen in den USA und um Diskurse aus dem Inneren, die beispielsweise vom Machismus in der eigenen Szene handeln.
Wer schon immer alles über »Freegans«, »Grüne Anarchie« oder »Postanarchismus« wissen wollte, der liegt bei diesem Buch genau richtig, und wer sich informieren will, wie weit die Kollegen des »Pagan Anarchism« in ihrer revolutionären Praxis gekommen sind, auch. »Die Wassergöttin kann angerufen werden, um gegen die Privatisierung der Wasserressourcen zu kämpfen«, schlägt da einer vor. Recht hat er.

Gabriel Kuhn (Hg.): »Neuer Anarchismus« in den USA, Unrast, Münster 2008, 301 Seiten, 16,80 Euro