Wipperfürt

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Die Bloggerin war sauer. In einem Artikel über die deutsche Blogosphäre anlässlich der »re:publica« hatte die FAZ doch tatsächlich einmal einen Buchstaben ihres Nachnamens weggelassen. »FAZ: im Print ist die Blog-URL falsch, online mein Name. Qualitätsjournalismus!« twitterte sie empört. Wegen eines falsch geschrieben Wortes oder Namens, mithin wegen eines Fehlers der Korrekturabteilung, einen Artikel für journalistisch miserabel zu erklären, hat seinen ganz eigenen Charme. Derartiges ist allerdings auch nix Neues, denn jeden Tag regen sich landauf, landab Vorsitzende von Kleintierzuchtvereinen, Volkstanzgruppen und Modellbahnclubs ganz furchtbar auf, wenn der große Tag gekommen ist, an dem sie in der Zeitung stehen und dann entdecken müssen, dass ihr Name – nehmen wir als Beispiel Wipperfürth – falsch geschrieben wurde und nun das ganze Land am Ende denkt, die Wipperfürths hießen Wipperfürts ohne h. Vermutlich wird sogar in jeder Minute irgendwo auf der Welt irgendeine Chefredakteurs-Sekretärin von einem sehr erbosten Falschgeschriebenen angeschrien, dessen Schlusssatz vor dem Höreraufknallen lautet: »Und das nennen Sie also Qualitätsjournalismus?« Dass nun ausgerechnet Blogger auf ­einen fehlenden Buchstaben im Namen reagieren und daraus auf die inhaltliche Qualität eines Artikels schließen, ist besonders putzig. Wer von Zeitungen und Zeitschriften gern verächtlich als Holzmedien spricht, dem könnte es ja eigentlich auch vollkommen wurschtegal sein, was in diesen verachteten Publikationen steht. Ist es aber nicht, denn ganz tief im Innern wissen die Damen und Herren Blogvollschreiber eines ganz genau: Ohne richtige Journalisten, also diejenigen, die die Themen überhaupt erst recherchieren, über die man sich empören kann, wären Blogs noch tumbere Promoveranstaltungen für das eigene Ich!Ich!Ich!.