Schweigen ist Gold

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Dies ist eine redselige Republik. Quasselstrippen überall, die sich inbrünstig den Worten, dem Gesagten hingeben. Und dabei politisch dermaßen engagiert zur Sache gehen, dass es eine wahre Freude ist. Zumindest will das Fernsehen diesen Eindruck vermitteln, allen voran die ARD.
Fast kein Tag ohne eine Talkshow, die sich den Zeitläuf­en und dem Weltgeschehen widmet. Günther Jauch am Sonntag, Frank Plasberg am Montag, Sandra Maischberger am Dienstag, Anne Will am Mittwoch, Reinhold Beckmann am Donnerstag – sie alle versuchen, uns zu besseren, weil wissenden Bürgern zu machen. Es ist zu viel des längst nicht mehr Guten. Das Überangebot steht dem Erkenntnisgewinn diametral entgegen.
Die Themen, sie sind so vorhersehbar und dröge, wie es die Teilnehmer der Rederunden sind. Arnulf Baring, Peter Scholl-Latour, Oskar Lafontaine, Jürgen Trittin oder Wolfgang Bosbach – sie haben immer viel zu sagen. Das ist ihr Metier. Aber nach gefühlt 500 gleichen Sendungen sind überraschende Momente längst auf der Strecke geblieben. Alles wirkt einstudiert, die Rollen sind klar verteilt. Eine öde Endlosschleife.
Das festzustellen, klingt beinahe schon banal, doch dass es inzwischen sogar einige Verantwortliche der ARD mitbekommen haben, scheint bemerkenswert. Schon häufiger wurde an den Sendungen und den Moderatoren herumgekrittelt. Aber selten in so schonungsloser Offenheit wie in einem jetzt bekannt gewordenen internen Papier des Programmbeirats. Das Gremium geht vor allem mit Jauch und Plasberg hart ins Gericht. Da wird so ziemlich alles moniert: die Gesprächsführung, das zu starre Konzept, mangelnde Konfliktbereitschaft, zu viel vom immer Gleichen. Besonders Jauch, eigentlich ungekrönter König des deutschen Fernsehlands, bekommt sein Fett weg. Das Ganze gipfelt in dem Vorwurf, der Moderator komme seiner journalistischen Sorgfaltspflicht nicht nach.
Das nennt man wohl einen Frontalangriff, der keine Rücksicht auf mögliche Verluste nimmt. Einer, der allerdings etwas blindwütig daherkommt. Das trifft vor allem auf die dreiste Schelte fürs Studio-Publikum zu. Die Zuschauer störten, »da zu oft und zu häufig auch an unpassenden Stellen geklatscht wird«, was wiederum den Show-Effekt verstärke. Aha, wir haben verstanden: Wer sich sie die Freiheit herausnimmt, eigenständig zu entscheiden, wann er klatscht oder »Buh« ruft, gilt als ärgerlicher Störfaktor. Das ist, liebe Damen und Herren vom ARD-Programmbeirat, eine Publikumsbeschimpfung der besonders dämlichen Art.
Schade. Denn das Grundanliegen ist richtig: Die Zahl der Talkshows gehört endlich deutlich reduziert – zum Wohle der monatlich Gebühren zahlenden Zuschauer. Vielleicht bringt weniger ja mehr. Das mag in den Ohren der Jauchs, Wills und Plasbergs hart klingen, ist aber fair.