Afrika, weiße Erfindung

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Edward Campell, der sich seit 40 Jahren für die afrikanische Literatur einsetzt, verwöhnt seine Gäste. Er hat neun handverlesene afrikanische Autoren zu einem Workshop nach Kapstadt eingeladen, wo in paradiesischer Umgebung diskutiert werden soll. Schon bald werden Texte produziert, die die Autoren entzweien. Spiegelt eine Geschichte von zwei senegalesischen Lesben wirklich das »echte Afrika« wider? Die weißen Touristen im Hotel staunen, denn bisher wussten sie nicht, dass es in Südafrika »mehr schwarze Menschen als Rotkappeneidechsen« gibt. Dann äußert der weiße Edward den Verdacht, die schwarze Ujanwa schreibe billige Propagandaliteratur. Eine Anschuldigung, die bei der Heldin der Erzählung »Jumping Monkey Hill« ein Schwindelgefühl erzeugt. Ist sie unbegabt? Oder gilt noch immer die alte Regel, dass weiße Männer schwarzen Frauen sagen, was richtig ist?
Wenn billige Propagandaliteratur auf dem Mond geschrieben wird, dann ist die 1977 geborene Chimamanda Ngozi Adichie auf dem Mars zu Hause. Die Brüche in ihren klugen Geschichten verlaufen nicht nur zwischen Lagos und Philadelphia, sondern auch zwischen einer afrikanischen Christin mit Burberry-Tasche und einer bettelarmen Muslimin. Die Nigerianerin spielt in ihrem Erzählungsband »Heimsuchungen« Positionen der Fremdheit durch, bis die übliche Schwarz-Weiß-Logik in unseren Köpfen restlos zerplatzt.

Chimamanda Ngozi Adichie: Heimsuchungen. S. Fischer, Frankfurt a. M. 2012, 300 Seiten, 19,99 Euro