Krauts und Rüben – der letzte linke Kleingärtner, Teil 20

Lob der Futtererbse

Endspurt. Die Kleingärtner und Pflanzenliebhaber unter den Lesern der Jungle World haben das ultimative Supersonderangebot vor sich: Wer bis Dienstag, 25. April, 12 Uhr, ein Foto oder mehrere Fotos von seinem Pflanzenbeet, Kleingarten oder Blumenkübel an inland@jungle.world mailt, ist im Lostopf und kann mit ein bisschen Kleingärtnerglück ein Vierteljahresabo dieser hochseriösen Zeitung gewinnen. Oder in seiner Rolle als quengeliger Verbraucher diese Zeitung drei Monate lang prüfen. Drei Abos habe ich der Redaktion mit meinem Kleingärtnercharme abgeluchst. Ach ja, es gab Rückfragen, ob ein Bild der Cannabispflanze im eigenen Garten vom vergangenen Jahr in die Verlosung eingereicht werden könne. Selbstverständlich. Sollte es zur Veröffentlichung des Fotos in dieser Zeitung kommen, werden alle Pflanzen ringsum verpixelt, damit keine Wiedererkennung möglich ist.

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Zurück in den Garten. Die Pflanzen, die Zuckererbsen sowie dicke Bohnen tragen und die ich vor fünf Wochen gelegt habe, sind schon knapp zehn Zentimeter groß. Die Bohnenstengel werden meist etwas über einen Meter groß und stehen selbständig. Bei den Erbsenpflanzen, die locker bis zu zwei Meter groß werden, verwende ich später als Rankhilfe Estrichmatten. Um im Frühsommer noch einige Wochen länger frische Erbsen ernten zu können, habe ich noch vier zusätzliche Reihen à vier Meter nachgesät. Der Nachteil ist jedoch, dass diese nicht ganz so groß werden und damit auch weniger Ertrag liefern als die früher gelegten. Zuckererbsen mag ich am liebsten. Mark- und Schalerbsen sind zwar nicht zu verachten, bereiten aber ein bisschen mehr Mühe bei der Verarbeitung. Zuckererbsen kann man mit der Schale essen, wahlweise direkt in der Pfanne anbraten oder mit der Schale einfrieren. Zusätzlich haben Erbsen- wie Bohnenpflanzen den Vorteil, dass sie die Bodenfruchtbarkeit verbessern. Wie das? Sie reichern an ihren Wurzeln den in der Luft reichlich vorhandenen Stickstoff an. Im Grunde genommen gibt es Stickstoff, der für das Wachstum der Pflanzen von zentraler Bedeutung ist, im Überfluss. Nur wie kommt der Stickstoff zu den Pflanzen beziehungsweise vorher in den Boden? Die einfachste Variante ist auch die ökologischste: durch Leguminosen, also Pflanzen, die Stickstoff an ihren Wurzeln anreichern und ihn damit der nächsten Pflanzengeneration zur Verfügung stellen. Die komplizierteste, teuerste und energieintensivste, aber am weitesten verbreitete Methode: künstliche Stickstoffherstellung auf Erdölbasis. Dieser Stickstoff wird als Nitratdünger ausgebracht, die Pflanzen nehmen aus dem Nitrat den Stickstoff auf und wachsen gut. Der Nachteil: Durch die Überdüngung, an der auch die zu intensive Ausbringung von Gülle ihren Anteil hat, können die Pflanzen nicht allen Stickstoff aufnehmen. Nitrat wandert ins Grundwasser und verwandelt sich in das giftige Nitrit, dessen Beseitigung hohe Kosten bei der Trinkwasseraufbereitung verursacht.

Würden die Gesellschaft im Allgemeinen und die Landwirtschaft im Besonderen von uns Kleingärtnern lernen und einheimische Eiweißträger wie Futtererbsen und Ackerbohnen statt Soja aus Übersee verwenden, ergäbe sich eine Win-win-Situation: sauberes Trinkwasser, weniger Kosten bei der Wasseraufbereitung, weniger Landraub in den Ländern des globalen Südens, um gigantische Sojafelder anzulegen. Die Liste ließe sich lange fortsetzen. Man sieht, nur wir Kleingärtner – okay, das mit dem »-innen« nehmen wir auch ins Programm auf, wir sind ja nicht so – können durch unsere Gartenbrille auf eine ökologisch und nachhaltig gestaltete Welt von morgen blicken und zugleich schon hier und jetzt Nahrungsmittel produzieren. Es gibt übrigens Milchbauern in Deutschland, die aus der Verfütterung von Sojaeiweiß nach und nach aussteigen und stattdessen mit Erfolg Futtererbsen und Ackerbohnen einsetzen. Zwar erbringen ihre Kühe dann nicht den Riesenertrag, der aus der Verwendung von Hochleistungsfutter resultiert, aber die Kühe sind gesünder, wodurch sich der leichte Minderertrag finanziell ausgleicht. Zudem sind die Futtermittelkosten deutlich geringer. Allerdings müssen Bauern, die Eiweißpflanzen anbauen möchten, einen höheren logistischen und zeitlichen Aufwand betreiben für die Beschaffung des passenden Saatguts. Leider ist die Saatgutforschung weitestgehend privatisiert, so dass nicht das Saatgut gezüchtet wird, das aus ökologischer und ernährungspolitischer Sicht wünschenswert ist, sondern dasjenige, das betriebswirtschaftlich ordentlich nachgefragt wird. Ein Grund mehr für eine staatliche Saatgutzüchtung. Mit uns Kleingärtnern blicken Gesellschaft und Landwirtschaft nach vorne. So muss es sein. Wir schaffen das. Und jetzt her mit den affenscharfen Garten- und Blumenkübelfotos.

Einsendeschluss für das Gewinnspiel um das schönste Foto vom schönsten linken Kleingarten ist Dienstag, der 25. April, um 12 Uhr.