Leo Fischer klingt nicht wie ein Sieger, sondern wie Theresa May

Zwischen den Highballs

Gastbeitrag Von
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Liebe Briten, liebe Europäer!
Die Ergebnisse der Wahlen sind schlimm. Seit dem jüngsten Anschlag ist der Zugewinn von Labour der größte Schaden, der dem Vereinigten Königreich je entstanden ist. Gerade jetzt, wo Großbritannien sich anschickt, die EU zu verlassen, ist derart unverhohlen gepflegter Politterrorismus Gift für die Austrittsverhandlungen.

Warum wir in der Wählergunst so tief gefallen sind, ist mir ein Rätsel. Mit unserem Rückzug aus der EU sollten auch sämtliche Quellen der Unzufriedenheit – Bürokratie, zu hohe Steuern, ungebremste Zu- und Einwanderung – zum Versiegen gebracht werden. Es muss sich folglich um ein Nachbeben handeln, aus einer Zeit, als die Grenzen noch offen ­waren. Damit werden wir jetzt eine Weile leben müssen. Dass Corbyn so gut abgeschnitten hat, lässt mich nachdenken. Finden es Leute eventuell nicht nur gut, systematisch aus den sozialen Netzen gedrängt zu werden? Sollten wir unsere Positionen zur Abschlachtung von Armen und Kranken überdenken? Haben wir den Kontakt zu den einfachen Leuten verloren? Das beschäftigt mich, während ich auf der Fuchsjagd Highballs trinke.

In jüngster Zeit wird mir Schwäche vorgeworfen. Gut, dass das mal ausgesprochen wird. Stellen Sie sich vor, Sie hätten sich betrunken zur Armee gemeldet. Nie hätten Sie damit gerechnet, dass Sie wirklich einge­zogen werden, hielten das alles für einen überdrehten Scherz – bis plötzlich in Riad die Bomben um Sie herum einschlagen. So ähnlich können Sie sich meine Situation vorstellen. Nie hätte ich gedacht, dass die Wählerinnen und Wähler so dumm sind, wie wir sie verkaufen. Klar, wir brauchen die EU weiterhin. Daher sollten wir so schnell wie möglich Verhandlungen zu einem neuen Sicherheits- und Wirtschaftsbündnis aufnehmen. Meinetwegen könnte es EIJU heißen: Europäisch-internationale Jux-Union. Die wir nur dann anrufen, wenn wir sie brauchen, und nicht, wenn die irgendwas von uns wollen. Dafür möchte ich nun werben, bis ich dann endlich, endlich zurücktreten darf.

Darauf freut sich schon
Theresa May