Leo Fischer klingt diese Woche wie Manuela Schwesig

Mehr Solidarität mit uns Leistungsträgern!

Gastbeitrag Von Leo Fischer
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GBIn was für einer Gesellschaft wollen wir leben? Diese Frage hat unser künftiger Kanzler Martin Schulz beim Kandidatenduell eindrucksvoll beantwortet – obwohl sie nicht mal gestellt wurde. Wir von der SPD wollen eine Gesellschaft, in der alle mitmachen und sich einbringen, auch wenn sie das nicht können oder wollen; eine Gesellschaft, in der für jeden ein Platz ist, für Leistungsverweigerer dann halt ein angemessen schlechter. Das ist für mich Solidarität. Solidarität bedeutet aber auch, dass Leute, die es im Leben zu was gebracht haben, gleich ob zum Abteilungsleiter oder zur Ministerpräsidentin, deswegen nicht abgewertet werden dürfen. Das schränkt das Leistungsprinzip ein. Wer hart arbeitet, hat das Recht, sich seine Entscheidungen nicht beliebig von oben diktieren zu lassen.

Wenn ich also meinen Sohn Turbinian nicht auf einen dieser Müll­haufen geben will, die in Mecklenburg-Vorpommern staatliche Regelschulen genannt werden, dann ist das ein Zeichen von Solidarität. Solidarität mit Turbinian, einem Jungen, der wegen seiner Herkunft (mir) oft diskriminiert wird. Da ich meinen Sohn kenne, weiß ich, dass auch er einmal Leistungsträger werden wird und deswegen das Recht hat, sich aus ­diesem ganzen Elend so früh wie möglich rauszuhalten. Ich meine, er muss meinetwegen in Mecklenburg-Vorpommern leben! Hat der Junge denn nicht schon genug gelitten? Ich versuche, so gut es geht, ihn von dieser Realität abzuschirmen, aber mittlerweile hat er gelernt, die Haustüre selbständig zu öffnen! Was kann eine Mutter denn noch tun? Mecklenburg-Vorpommern wird seit mehr als 15 Jahren von der SPD regiert. Leider war die Zeit zu kurz, die Mischung aus

Depression, gelebtem Faschismus und ruinierten Kommunen, die dieses Bundesland auszeichnet, wirksam zu bekämpfen. Aber besser, es macht die SPD als beispielsweise die NPD, oder? Meine Kritiker sollten bedenken: Ist es nicht auch ein starkes Zeichen, dass die Ministerpräsidentin ihren Sohn auf eine Privatschule schickt? Ein Zeichen des Protests gegen marode Schulen und zerstörte Infrastruktur? Wie dem auch sei: Ich bin genug damit beschäftigt, dieses Land zu regieren, ich will nicht auch noch darin leben müssen.