Homestory

Homestory #46

Vielleicht haben Sie es schon einmal bemerkt. Manchmal versuchen wir von der Jungle World, witzig zu sein. Das ist nicht immer leicht. Die Frage, ob es guten und schlechten oder nur Humor oder keinen gibt, beiseite gelassen. Zu lachen gibt es zwar des Öfteren etwas, da fallen bei Redaktionssitzungen schlaue Sprüche und blöde Wortspiele oder jemand findet ein lustiges Video im Netz. Auch die Titelblattrunde lädt stets zu Scherzen und kreativem Schweigen ein. Aber ansonsten ist das Zeitungmachen ein bierernstes und deprimierendes Geschäft, weil es so wenig Erfreuliches gibt, das berichtenswert wäre. Oder das Erfreuliche verkauft sich einfach nicht so gut bei unserer kritischen Zielgruppe. Um reine Unterhaltung soll es ja schließlich nicht gehen.

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»Promi-News« finden sich in der Jungle World nur, wenn irgendwas an der Geschichte politisch relevant ist. Tariq Ramadan hat es trotzdem nicht in diese Ausgabe geschafft, abgesehen davon, dass der aktuelle Anlass, die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung und Vergewaltigung gegen den Muslimbrüderbruder, ja auch nur deprimierend sind. Bilder von süßen Kindern und Tieren sind sowieso tabu (der Titel-Dackel war Nazi und kein Hund!). Und auch wenn es manchmal so scheinen mag, ein Satiremagazin ist die Jungle World leider nicht – was also tun, wenn man mal wieder etwas Witzigkeit braucht? Ein Blick in das echte Satiremagazin Titanic: Da findet sich auf einer Seite ein Ausschnitt einer Werbeanzeige für die Jungle World, daneben ein großes »Abgelehnt!« und der folgende Text: »Auch die Austauschanzeige der Jungle World sucht man vergebens in diesem Heft.

Der Platz wurde für etwas anderes gebraucht. Mal sehen, ob sie es bemerken, und im Gegenzug die Titanic-Anzeige entfallen lassen. Wer es genau wissen will, wird wohl oder übel die nächsten Wochen das linke Berliner Wochenblatt kaufen müssen. Wir verraten jedenfalls nichts!« Das ist so charmant, dass wir keine Rachegedanken pflegen. Gelacht wurde über diesen Scherz dennoch wenig in der Redaktion. Das mit dem »Blick in das echte Satiremagazin« trifft es nämlich auch nicht ganz. Besagte Seite aus der Titanic liegt nur als einzelne schlechte Schwarz-weiß-Kopie vor, in welchem Kontext der Scherz erschien, wird daraus nicht ersichtlich. Das Originalheft bleibt unauffindbar. Vermutlich hat es sich eine Kollegin oder ein Kollege geschnappt, um bei der Lektüre auf dem Klo heimlich zu lachen. Endlich wieder.