Leo Fischer klingt wie Robert Habeck

Ohne Glyphosat hätte es geklappt

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Das Scheitern der Jamaika-Gespräche ist schlimm. Schlimm, dass die FDP in letzter Minute triumphal alles hingeworfen hat wie ein beleidigter Teenager; schlimm, dass die CSU mittendrin rührselig reinpoltert wie ein Bierzeltopa. Dabei waren wir schon für Kohle, für atmende Obergrenzen, für schwitzende Atome und Kriege mit Herzklopfen. Ja, ich gehe so weit zu sagen, dass die Grünen die einzige Partei in Deutschland sind, die überhaupt noch regieren möchte. Wir haben als Grüne schon mehr Prinzipien aufgegeben, als andere je hatten!

Als Roman- und Kinderbuchautor weiß ich, dass auch ein Drama wie eine Regierungsbildung gewissen plot points folgen muss, um beim Publikum gut anzukommen. Wir haben es versäumt, am Freitagabend stets ­einen Cliffhanger zu präsentieren; wir haben es versäumt, den Bösewicht mit einer vielschichtigen und facettenreichen Persönlichkeit auszustatten – auch, weil Markus Söder fast keine Persönlichkeit hat. Stattdessen haben alle permanent ihren guten Willen betont. So funktioniert ja selbst die »Lindenstraße« nicht mehr! Da wird Klausi Beimer eben kurzfristig schwul oder drogensüchtig, und schon läuft die Kiste wieder. Das hätte ich mir auch von Merkel gewünscht.

Meine persönliche Erklärung für das Scheitern der Gespräche ist aber: Glyphosat. Ja, hätten wir es geschafft, Glyphosat rechtzeitig zu verbieten, vielleicht wären wir alle etwas fitter, etwas weniger krank an den Verhandlungstisch gegangen. Wenn jeden Morgen über Berlin die Gly­phosat-Flugzeuge ihr Gift versprühen, dann können solche Gespräche ja nur vergiftet stattfinden. Bei den ­gemeinsamen Mittagessen der Jamaika-Partner standen jeweils kleine Streuer mit einem weißen Pulver auf dem Tisch – Glyphosat? Hat Merkel versucht, die Gespräche durch Pestizideinsatz zu torpedieren? Zutrauen könnte ich es ihr! Im Übrigen halte ich Neuwahlen für weniger problematisch als viele meiner Parteifreunde. Wahlkämpfe sind das Salz in der Suppe der Demokratie. Wenn es sein muss, salzen wir sie eben nochmal. Immer und immer wieder. So lange, bis die Suppe endlich schmeckt.