Kritische Astrologie - Das Wesen des Deals

Hat Herr Erdoğan einfach einen guten Tag gehabt?

Kolumne Von

KA

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Mit einiger Befriedigung nimmt der Urheber dieser Kolumne zur Kenntnis, dass die Kritische Astrologie nicht mehr ausschließlich hier, im Nirgendwo des hintersten »Dschungel«, sondern inzwischen auch in seriösen Medien gepflegt wird: Im Blog des Missy Magazine trat Hengameh Yaghoobifarah für die Neubelebung dieser Wissenschaft ein, sofern sie sich nur stark genug von der Vulgärastrologie der Frauenzeitschriften abgrenze. Das will die Kolumne »Kritische Astrologie« auch leisten und sich dabei nicht nur von Frauenzeitschriften, sondern von Zeitschriften überhaupt, von den Sternen und Planeten selbst, ja vom gesamten Diskurs, von Gut und Böse und allen menschlichen Ideen insgesamt loslösen und verabschieden. Die hier gepflegte Astrologie ist eine rein kritische, ohne Gegenstand oder auch nur Interesse.

In der heutigen Kolumne befassen wir uns mit dem Deal und den Konstellationen, in die er hinein­geboren wird. Wir müssen gleich vorausschicken: Es steht nicht gut um ihn, den Deal; er wird verächtlich gemacht, als »schäbig« oder »schmutzig« verhöhnt. Das liegt schon an der gesellschaftlichen Entwicklung: Schnäppchen jagen, Rubbellose sammeln, für Tankstellenwein Hunderte Kilometer fahren – das alles ist dem Untergang geweiht, seit hochspezialisierte Künstliche Intelligenzen auf check24.de unseren Geiz automatisiert befriedigen. In Sonderheit von der hohen Diplomatie erwartet man in Deutschland mehr als Deals; es müssen hier selbst den verkommensten Autokraten und Räuberhauptmännern selbstlose Absichtserklärungen abgerungen werden, sonst kann man das mit der Diplomatie auch gleich bleiben lassen. Undenkbar etwa, dass die Freilassung Deniz Yücels irgend mit Absprachen zu tun hatte – wenn es in der Diplomatie neuerdings Absprachen gibt, dann ist es jedenfalls keine deutsche Diplomatie mehr! Alle müssen von sich aus nett zu uns sein, ohne dass wir irgendein Zugeständnis machen. Falls das nicht passiert: Rübe ab! Beziehungsweise eine neue Petition bei change.org eingeben, dass diesmal aber wirklich alles ohne Deals abläuft. Denn auch kritische Diplomatie erfolgt interesse- und gegenstandslos.