Homestory

Homestory #13

»Kommt der Kollege in den Raum und fragt nach dem Spiegel. Deuten die Kolleginnen an die Wand.« Das finden Sie jetzt wahrscheinlich nicht besonders witzig. Diese wahre Begebenheit sorgte mit ihrer Situationskomik dennoch für Heiterkeit im hektischen Arbeitsalltag Ihrer Lieblingsredaktion. Da es sich tatsächlich um ein Missverständnis handelte – der Kollege kann ja nicht kursiv sprechen –, war das Ganze in dem Moment unbemüht witzig. Bemüht witzig ist hingegen das Deutsche Tierschutzbüro, das sich zu Ostern eine besonders »humorvolle« Kampagne ausgedacht hat und uns mit Pressemitteilungen dazu erfreute. »Sexy Bunnies verteilen Kondome«, heißt es dort, womit kostümierte Tierschützerinnen im Rahmen der Kampagne »Sex statt Eier« auf das Leid von Legehühnern aufmerksam machen wollen. Um das Huhn zu retten, muss die Frau erst einmal zum Bunny gemacht werden. Liest man weiter, geht es dann eh nur um den Penis, der wegen zu viel Cholesterin aus Eiern »nicht richtig steif werden« kann, weswegen Männer auf den Eierkonsum verzichten sollen. Um das Tier zu retten, muss der Mann erst einmal an seinen Schwanz denken. »Dieses Jahr zu Ostern ­einfach mal: Sex statt Eier«, lautet der tierschützerische Rat. Wenn Opa sich beim Familienbesuch an Ostern nun auf liebevoll von den Enkelinnen und Enkeln bemalte hartgekochte Eier freut, wird ihm entrüstet entgegnet: »Nix mit Ei, Alter, jetzt wird gefickt!«

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Dass es grausam in Legebatterien zugeht, steht außer Frage. Aber kann man nicht einfach bessere Lebensbedingungen für Tiere fordern? Oder leckere vegane Osterzopfrezepte verbreiten, ohne fragwürdige Humorkampagnen? Oder ist das nicht radikal genug, sondern ähnelt der Forderung nach besseren Arbeitsbedingungen, wenn es doch um die Abschaffung der Lohnarbeit an sich gehen sollte? Immerhin wird es heiter zugegangen sein im Deutschen Tierschutzbüro und Sex verkauft sich ja auch so gut, dass die Kampagne nun auch an dieser Stelle erwähnt wurde. In der Jungle World wird es an Ostern vermutlich weniger heiter zugehen, weil die Besetzung ­urlaubsbedingt sehr knapp ausfallen wird. Sollte die befürchtete Katastrophe eintreten und die kommende Ausgabe nicht fertig werden, wissen Sie ja, was Sie die Woche nach Ostern tun können: Hühner befreien. Oder endlich in Ruhe die alten Ausgaben aus­lesen. Die sind ganz wundervoll. Aber natürlich werden wir als alte Zeitungsbunnys auch diese Krise meistern. Frohe Feiertage!