Platte Buch - Mikołaj Łoziński: Buch. Ein Familienroman

Heroisches über den Großvater

Angenommen, Sie hätten es sich zur Aufgabe gemacht, ein Buch über Ihre Familie zu schreiben: Wie würden Sie reagieren, wenn Ihre Verwandten sich ständig einmischen würden? Nicht anders geht es dem Erzähler in Mikołaj Łoziński Roman »Buch«. Er sieht sich bei der Arbeit an seinem Buch mit allerlei Einwänden konfrontiert. Den Austritt des Großvaters aus der Kommunistischen Partei Polens solle er zwar thematisieren, aber bitte in einer heroischeren Fassung, sagt der Vater. Die stehe dem Verstorbenen einfach viel eher zu als die tatsächliche, die dann doch etwas schlichter ausfällt.

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Die Großväter des Erzählers waren polnische Kommunisten und Juden. Der eine arbeitet nach dem Krieg als Journalist, der andere bekleidet eine hohe Funktion im Amt für öffentliche Sicherheit. Bis zum Schluss bleibt er auf Parteilinie. Als die Regierung 1981 das Kriegsrecht verhängt, verbarrikadiert er sich aus Angst vor der Solidarność in seiner Wohnung und schläft von nun an nur noch mit einer Pistole unter dem Kopfkissen. Wenn die Oppositionellen an die Macht kommen, werden sie die alten Kommunisten an den Laternen aufhängen, glaubt er. Der andere Großvater ist da bereits in die Schweiz ausgereist. In seiner Wohnung finden konspirative Treffen der später siegreichen Gewerkschaftsbewegung statt.

Unter anderem davon berichtet Łozińskis namenloser Ich-Erzähler in kurzen, bruchstückhaften Kapiteln, die sich weniger an den prägenden Ereignissen der polnischen Nachkriegszeit orientieren als an Gegenständen, die einst eine wichtige Rolle im Familienalltag spielten. Nicht die historische Chronologie, sondern Erinnerungen an diese Gegenstände strukturieren den Roman; an jenes Telefon etwa, aus dem mitten in der Nacht – nach dem Sechs­tagekrieg und Studentenprotesten hatte die Parteiführung 1968 eine antisemitische Kampagne gegen »zionistische« Parteimitglieder initiiert – eine fremde Stimme »Verpissss dich nach Isssrael« zischte.

 


Mikołaj Łoziński: Buch. Ein Familienroman. Edition Fototapeta, Berlin 2018, 144 Seiten, 16,80 Euro