Platte Buch - Miss Ludella Black: Till You Lie in Your Grave

Schmachten ohne Föhnwelle

Kolumne Von

Der Landkreis Medway, im Südosten Englands gelegen, ist das Gewächshaus der britischen Rock ’n’ Roll- und Garage-Szene. Hier blühten Bands wie The Pop Rivets oder Thee Milk­shakes, gesät von Billy Childish, der in beiden Gruppen Mitglied war. The Delmonas, die Backgroundsängerinnen einer anderen Band von Childish, Thee Headcoats, sagten sich los und wurden zu Thee Headcoatees, der ersten Band, in der Holly Golightly spielte. Hello, Holly!

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In der Band spielte auch »Miss« Ludella Black, eine tumultuarische und wundersame weitere Protagonistin der Szene. Ihr drittes Soloalbum »Till You Lie in Your Grave« beginnt mit dem gleichnamigen Titel ungezügelt und spitzzüngig, wenn sie krakeelt: »There is only one thing left to do now/There is only one thing left to say/There is only one thing you need to know now/I don’t wanna see you again/Till you lie in your grave«.

Die 14 Titel nahm sie in Jim Rileys Ranscombe Studio in ihrer Heimatstadt Rochester auf und ließ zwölf davon vom Thee-Milkshakes-Veteranen Micky Hampshire schreiben, der jetzt Sänger sowie ­Gitarrist der Band The Masonics ist. Weitere umtriebige Mitspieler in Blacks Kombo: Bruce Brand, ehemaliger Schlagzeuger der Pop Rivets, und John Gibbs am Bass.

Mädchenhaft und zuckersüß ist Black. Rundum harmonisch klingt »I’m Not Going to Cry«. Wie eine französische Chanteuse singt sie bei »Love You I«. Die Titel riskieren auch, sich unbeholfen in die Heavy-Metal-Ecke (»Am I Going Insane«) zu verirren, aber nur, um wieder unverzagt den Weg zurück zu finden (»A Creature Called Doubt«). Mit dem Schmachtfetzen »The Brother I ­Never Had« hingegen erinnert Black an die Countrysängerin Skeeter ­Davis, kommt dabei aber ohne Föhnwelle aus.
Die mitreißenden Basslines, das hämmernde Schlagzeug und die ­fauchende Gitarre ergeben einen solch herrlichen Surfbeat, dass Fans schon behaupten, das sei die beste Rhythm & Beat-Kombo seit, na, Thee Milkshakes.

 

Miss Ludella Black: Till You Lie in Your Grave (Damaged Goods)