Homestory #05


Ohne Essen geht es nicht. In einem gewissen Sinn ist der Mensch ja auch nur ein gefräßiges Tier, was seine tiefe Verbindung mit der Natur beweist. Für eine angemessene Kalorienzufuhr zu sorgen, ist vor allem wichtig, wenn man, wie die Mitglieder der Redaktion Ihrer kleinen, aber feinen Lieblingszeitung, permanent das Gehirn anstrengt, um die großartigen Ereignisse dieser unserer Welt in handliche Artikel zu verpacken. Schließlich gilt das Hirn als das Organ mit dem höchsten Energieverbrauch, auch wenn die Website Fit for Fun herausposaunt: »Denken macht gefräßig und dick.«

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Aber diese finstere Warnung hält die Schwerarbeiterinnen und -arbeiter des Denkens in der Jungle World noch lange nicht vom Essen ab. Keine Angst, hier geht es nicht darum, wie man die Welt mit der richtigen Diät retten kann, indem man sich beispielsweise von Samen, Kohl und nur einmal monatlich rotem Fleisch ernährt oder sich an den avantgardistischen Genuss der neuen Lebensmittel aus Würmern oder Insekten gewöhnt. Hier geht es auch nicht darum, wie ein kürzlich veröffentlichter Bericht des norwegischen Think Tanks EAT und der britischen medizinischen Fachzeitschrift The Lancet verbreitete, dass ungesunde Ernährung ein höheres Risiko von Krankheit und Tod mit sich bringt als »ungeschützter Sex, Alkohol-, Drogen- und Tabakgebrauch zusammen«.

Nein, hier gibt es einen exklusiven Einblick in das alltägliche Leben in einer Zeitung. Lässt man mal jene beiseite, die sich ausschließlich von Kaffee und Kippen zu ernähren scheinen, kann man in der Redaktion drei Fraktionen unterscheiden. Die erste holt sich ihren Kaloriennachschub in der nahegelegenen Markthalle an den prima Fast-Food-Ständen und vertilgt dort etwa begeistert die vitamin­reiche Glutamatpampe beim »Vietnamesen«. Die zweite Fraktion schafft sich ihre kulinarischen Genüsse selbst; sie kocht auf unserem hochmodernen Drei-Platten-Herd im Retrostyle der fünfziger Jahre vorzugsweise raffinierte Pastagerichte mit Pesto oder bestückt die Mikrowelle mit leckerem Fertigfraß aus dem Sonderangebotsregal des lokalen Supermarkts.

Die dritte Fraktion hält sich an die gute alte Stulle – geschnittenes Pappbrot aus der Verpackung mit undefinierbarem Belag, je nach Gusto eher käse- oder wurst­lastig. Für Genüsse aller Art ist also jederzeit gesorgt, schließlich spielt der Hedonismus in der Redaktion Ihrer kleinen, aber feinen Lieblingszeitung schon immer eine große Rolle.

Übrigens ist es in Wirklichkeit gar nicht das Gehirn, das am meisten Energie verbraucht, sondern die Leber. Was, wie manche in der Redaktion finden, auch wieder ganz gut ins Bild passt.