Platte Buch - Black to Comm »Seven ­Horses for Seven Kings«

Keine Musik für nebenbei

Kolumne Von

Wohl keine Instrumentengruppe bringt mit ähnlich geringem Aufwand – nur mit Hilfe des Atems – derart kraftvolle Töne hervor wie das Blech. Mit einer mächtigen Blechbläser-­Kakophonie beginnt auch das neue Album von Marc Richter alias Black to Comm. Damit ist der Ton gesetzt, und bald zeigt sich, dass »Seven ­Horses for Seven Kings« das bisher düsterste Album des Musikers ist. Es geht allerdings nicht immer auf die Zwölf, sondern es wechseln sich laute und ruhige Passagen ab. Richter sagte dazu, er wolle seinen Songs keine Geschichte geben, sondern die Musik selbst solle die Erzählung sein.

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Seit mehr als 15 Jahren macht der Hamburger Musik. Wer seine älteren Alben kennt, weiß, wie stark sich seine Musik in dieser Zeit entwickelt hat. Vor allem zeigt sich auf seiner inzwischen neunten Platte Richters ausgefeilter Umgang mit Samples. Neben Bläser-Sounds dominieren Klavier- (Nils Frahm ist angeblich dabei) und Percussion-Samples die Songs, und ab und an erklingen auch Richters charakteristische Orgeln. Unter das Genre Drone lässt sich diese Musik längst nicht mehr fassen; durch ihre rhythmischen Elemente bleiben die Stücke nämlich beweglich. Auch wenn der Infozettel zur Platte betont, es seien die Fehler und Ungenauigkeiten, die Marc Richter interessieren, klingt die Platte extrem ausgereift und rund.

Seit dem letzten Album unter dem Namen Black to Comm sind vier Jahre vergangen. In der Zwischenzeit hat der Musiker zwei Alben mit hektischen Sample-Collagen aus Youtube-Schnipseln unter dem Alias Jemh Circs veröffentlicht und bei verschiedenen Auftragsarbeiten als Klangkünstler an seinem Sound experimentiert. Herausgekommen ist nun das bisher ausgereifteste Album des Musikers. Die Stücke sind extrem dicht und fordern volle Aufmerksamkeit. Musik für nebenbei ist das auf keinen Fall, und es sei wärmstens empfohlen, »Seven Horses« am Stück zu hören. Erst dann entfaltet es seine herausfordernde, hypnotische Wirkung.


Black to Comm: Seven Horses for Seven Kings (Thrill Jockey)