Das Medium - Heiße Milch mit Haut

Was die Evolution versäumt hat

Warum es sich durchgesetzt hat, Milch und vor allem Kakao heiß zu trinken, ist unklar. Vermutlich war der erste Steinzeitmensch, der aus Versehen seine mühsam aus einem Stein hergestellte Tasse am Lagerfeuer abgestellt hatte, generell ein bisschen verpeilt, denn anders ist es nicht zu erklären, warum der Mann oder die Frau nicht sofort nach dem ersten Schluck heißer Plempe mit glitschigen Milchfettstückchen drin entsetzt aufstöhnte und sein Leben fürderhin der Aufklärung widmete. »Heute müssen wir über etwas sehr Schlimmes reden, vor dem ihr euch unbedingt hüten müsst«, würde er seinen Vortrag vor den Steinzeitkindern der näheren Umgebung und vielleicht ­sogar dem Nachwuchs anderer Stämme regelmäßig begonnen haben, um dann umgehend in einem anschaulichen Experiment vorzuführen, was aus Milch wird, wenn man sie erhitzt. »Iiiiiih«, würden die aufmerksam zuschauenden Kinder angewidert gestöhnt haben, wenn der Höhepunkt des rund halbstündigen Referats erreicht wäre, an dem der Redner klumpige Gebilde aus der Flüssigkeit gezogen hätte, und anschließend wären sich alle völlig einig gewesen: Nein, so etwas würde man später, wenn man groß wäre, niemals trinken wollen, wie gut, dass man gewarnt worden sei.

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Warum die Sache dann doch nicht so lief, wie sie hätte laufen sollen, ist nicht bekannt. Vielleicht hatte die Evolution einen schlechten Tag erwischt und gepennt, statt den fraglichen Steinzeitmenschen von einem Stein erschlagen oder einem Säbelzahntiger aufessen zu lassen, bevor er die heimische Höhle erreichen und sein verwerfliches Tun beginnen konnte. Jedenfalls: Heiße Milch und heißer Kakao plus diese schauderhafte Haut sind Getränk gewordene Unzivilisiertheit. Zumal es so viel andere schöne Heißgetränke gibt, abgesehen von Glühwein, natürlich. Ha!