Das Medium - Rollenspiele

Let them eat cake

Was Bäckereifachverkäuferinnen auf hippen Parties so erleben.

Vielleicht sind hippe Leute deswegen oft so anstrengend, weil sie so gern über sich selbst reden, was ja grundsätzlich interessant sein kann, die eigene Lebensgeschichte kennt man ja schließlich schon. Aber oft ist dem nicht so. Überraschend oft sogar, um genau zu sein, denn wer sich darüber definiert, dass er oder sie grad gestern noch den (irgendwie prominenten) Dingens getroffen hat und der dies und das sagte und ach ja, die Dangens (auch irgendwie prominent) habe ja letztens – und so weiter und so fort, man kennt das. Es gibt kein Entrinnen.

Anzeige

Was natürlich nicht stimmt, gibt es wohl, denn man kann sehr unterhaltsame Experimente mit solchen Leuten veranstalten. Früher habe ich auf Parties mit irrsinnig hippen Menschen auf die immer leicht herablassend klingende Frage, was ich denn so mache, manchmal wahrheitswidrig mit »Ich bin Bäckereifachverkäuferin« geantwortet und anschließend interessiert dabei zugeguckt, wie gerade noch erfolgreich vermieden wurde, »Wer hat dich denn dann hier reingelassen?« zu sagen und stattdessen während des überaus hastigen Abwendens Sachen wie »Ah, das ist ja auch ein schöner Beruf« gemurmelt wurden.

Bäckereifachverkäuferin deshalb, weil im Prinzip jeder Ahnung von Kuchen und Brot hat, es also durchaus die Möglichkeit ­gegeben hätte, ein Gespräch zu führen, in dem man endlich, endlich die großen Geheimnisse des Bäckereiwesens erfährt. Also theoretisch, denn praktisch wurde eigentlich immer weggelaufen, weil igittigitt, Verkäuferin, was man übrigens auch gern umgehend sotto voce der Incrowd mitteilte: »Die da vorn ist übrigens Brotverkäuferin. Leute gibt’s.«

Aber die Zeiten sind vorbei, weil ja alle Welt nun Allergien hat und die Gefahr viel zu groß ist, dass man ungefragt mitgeteilt bekommt, welche unerfreulichen Symptome jemand entwickelt, sobald er auch nur ein Stück Kuchen anguckt. Schade.