Platte - Gang of Four: »Happy Now«

Moderne Konfusion

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Eine kleine Künstlergruppe wurde in den späten Siebzigern im britischen Leeds zur Brutstätte für radikalen Post-Punk. Inspiriert von der oppositionellen Subkultur und marxistischer Theorie spielte die Band Gang of Four zwölf Songs ein, die so nur von weißen, privilegierten Kunststudenten, aber eben auch nur von bri­tischen, politischen Aktivisten geschrieben werden konnten. »Entertain­ment« war eines der wichtigsten Alben des Post-Punk. Das ist 40 Jahre her, geblieben sind davon die Stakkato-Funk-Riffs und das Gründungsmitglied Andy Gill.

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Während bei der ersten Platte Authentizität als höchstes Gut galt und auf Effekte weitgehend verzichtet wurde, ist »Happy Now«, das neue Album von Gang of Four, voll mit elektronischem Zeugs, was als Fortschritt und Weiterentwicklung verstanden werden kann – oder eben auch als unangenehm trendversessen und belanglos. Die pointiert gespielten Gitarren wurden gegen schmalzige Synthesizer (»Paper Thin«) und das Schreien gegen Allerweltsgesang (»Toreador«) ausgetauscht. Auch politisch geht es zu, ein wichtiger Anspruch der Band: »Ivanka – ›My Name’s on It‹« trägt immerhin ansatzweise Züge des für Gang of Four typischen Sarkasmus, mit Zitaten von Ivanka Trump über sich selbst und Beobachtungen über ihren Vater, pure Selbstgerechtigkeit. Trotzdem will der Song nicht funktionieren und langweilt.

Fairerweise sollten Bassist Thomas McNeice, Schlagzeuger Tobias Hum­ble und Sänger John »Gaoler« Sterry nicht mit den Ursprungsmitgliedern Jon King, Dave Allen und Hugo Burnham verglichen werden. Der neue Sound ist – trotz Gilles unverkennbaren Gitarrenspiel (»Don’t Ask Me«) – eben neu, wobei »neu« durch die Verwendung allzu bekannter Zutaten auch wieder dementiert wird. Letzlich bleibt eine halbgare, banale Mischung aus Elektronik, Dub und Classic Rock. Immerhin stand in den Pressetexten schon eine implizite Warnung: »The result is a body of anthemic songs of modern confusion.«

Gang of Four: Happy Now (Gill Music Ltd)