Buch - Sama Maani: Teheran Wunderland

In Teheran geht’s um die Wurst

Irgendwo in der österreichischen Provinz gerät der Erzähler in Sama Maanis Roman »Teheran Wunderland« in eine Demonstration von Exil­iranern gegen das Regime der Mullahs. Von den Ereignissen wird er ins Wirtshaus »Zur deutschsprachigen Gemütlichkeit« gezogen, wo drei Brüder ihn als neutralen Zeugen zu einem Familientribunal einladen. Einer der Brüder soll mit dem Regime kollaboriert haben.

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Sama Maani, der mit zwölf Jahren nach Österreich kam, erzählt die Geschichte der iranischen Revolution als Farce. Der Autor und Psycho­analytiker gilt als Kritiker des Kulturalismus, wovon schon der Titel ­seines Essaybands »Respektverweigerung. Warum wir fremde Kulturen nicht respektieren sollten. Und die eigene auch nicht« zeugt. Maani spielt mit Vorstellungen kultureller Differenz ebenso wie mit den revolutionären Illusionen einer kleinbürgerlichen Linken. Diese muss im Roman hilflos zusehen, wie ihre Revo­lution von den religiösen Fanatikern binnen kurzer Zeit übernommen wird. Zu Beginn der Revolution verliebt sich der Poet unter den Brüdern in eine Proletarierin. Als sie ihn wegen des Sohnes eines Wurstfabrikanten, des Klassenfeindes also, ­verlässt, wird eine Dynamik von epischem Ausmaß in Gang gesetzt. Ganz Teheran schaut in diesem Roman amerikanische Serien, trinkt ­Alkohol und isst Semmeln, die mit Wurst belegt sind, auf die Sams Vater das Monopol hält.

Maani ist ein heiterer, freundlicher Aufklärer, der auf eine alte Methode zurückgegriffen hat, um den Wahnwitz der Realität kenntlich zu machen. Andere verrätseln die Rea­lität, verdoppeln sie bloß oder flüchten aus ihr, er macht sie durch das Phantastische kenntlich, indem er ihre Koordinaten verschiebt, sie als Parabel und bösen Traum erzählt, aus dem zu erwachen nur durch echte Revolutionen gelingen mag.

Sama Maani: Teheran Wunderland. ­Drava-Verlag, Klagenfurt/Celovec 2018, 104 Seiten, 19,80 Euro.