Homestory #24

Wer bei der Jungle World arbeitet, hat Haltung und Stil. Aber gibt es in der Redaktion eigentlich auch Journalisten?

Der Journalismus ist eine heiße Angelegenheit – zumindest in der Redaktion der Jungle World. Bricht der Sommer erst einmal richtig aus, herrschen in den Räumen dank großflächiger Fensterfronten gen Süden schnell noch höhere Temperaturen als draußen. Zwar ist die stete Versorgung mit kühlen Getränken und Eisleckereien gewährleistet. Das ändert jedoch nichts daran, dass es nur ein ­treffendes Adjektiv gibt, um das Raumklima in den Redaktionsräumen adäquat zu beschreiben: knalleheiß.

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Die Hitze könnte schnell auf die Konzentration und die Arbeitsmoral schlagen, Nachlässigkeit droht einzureißen. Doch hier greift glücklicherweise das betriebliche Qualitätsmanagement – und das schon in rein äußerlicher Hinsicht: Auf überhitzten Sitzungen lässt sich eine exquisite Auswahl an Hemden und Poloshirts bestaunen, mit der sich die Redaktionsmitglieder gegenseitig signalisieren, dass sie Haltung und Stil bewahren. Auch wer schwitzt, kann schließlich noch gut aussehen.

Doch keineswegs beschränkt sich die Qualitätssicherung auf die Oberbekleidung. So funktioniert moderne Betriebspsychologie: schon über Äußerlichkeiten soziale Kontrolle aufbauen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann verinnerlichen. Macht man diesen die Sache noch mit einer Prise Teamgeist schmackhaft, liefern sie das erwünschte Resultat: Leistung, Leistung, Leistung.

Die Effizienz dieses Qualitätsmanagements wurde an einem sehr heißen Tag in der vergangenen Woche unter Beweis gestellt: In einer spontan anberaumten Leistungsprüfung mussten Redakteurinnen und Redakteure online im Multiple-Choice-Verfahren ein Bilderquiz bewältigen, das zum diesjährigen Aufnahmetest der Deutschen Journalistenschule gehörte. Die geprüften Redaktionsmitglieder beantworteten dabei durchschnittlich 8,1 von zwölf Fragen richtig.

»Der Test ist auch echt schwierig. Dafür haben Sie es schon recht gut gemacht«, urteilte die Quizmaschine – was etwas ungerecht ist. Schließlich erkannten die teilnehmenden Redakteurinnen und Redakteure eigenen Aussagen zufolge die abgebildeten Personen und Ereignisse des politischen Zeitgeschehens ohne Weiteres. Selbst den Namen eines im März 2018 verstorbenen Nördlichen Breitmaulnashorns oder eines gedopten österreichischen Skilangläufers kannten manche. Aber den Namen einer Schauspielerin, die als Kommissarin des »Tatort« im Fernsehen auftritt, konnte wirklich niemand nenen. Wer schaut schon »Tatort«? So viel verinnerlichte televisionäre Qualitätssicherung muss sein.