Die Boxkolumne - Von Bienen und Schmetterlingen

Von der Antike nach Las Vegas

Kolumne Von

»Schwebe wie ein Schmetterling, stich wie eine Biene.« Nur wenige Sätze bringen so treffend die Eleganz eines guten Boxers auf den Punkt wie diese Maxime Muhammad Alis, die ihm sein langjähriger cornerman Drew Bundini Brown schrieb. Von ­Bienen und Schmetterlingen im Boxen soll auch diese Kolumne erzählen.

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Boxen ist wohl so alt wie die Menschheit selbst. Die Sportart war bereits mehrere Jahrhunderte olympisch, bevor Jesus von Nazareth auf Erden wandelte, hat sich aber erst seit einem guten Jahrhundert halbwegs feste Regeln gegeben. Vor 150 Jahren ­kamen die ersten Handschuhe in Mode, kurz zuvor war der Boxring eingeführt worden. Bis dahin hatten die Kontrahenten ohne Bandagen gekämpft, was als bare-knuckle, also als Boxen mit bloßen Fingerknöcheln, bezeichnet wird. Im kaiserlichen Deutschland bestand bis auf wenige Ausnahmen bis 1918 ein polizeiliches Verbot des Faustkampfs.

In den siebziger und achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts versank der Boxsport beinahe gänzlich im Rotlichtsumpf. Es ­bestand eine intime Nähe zwischen kriminellen Bossen und talentierten Boxern. Das Geschäft auf Gegenseitigkeit, das ­Wetten auf Boxkämpfe und die Manipulation ihrer Ergebnisse waren eine sprudelnde Einnahmequelle für die schweren Jungs, und nach der Karriere boten sich im Milieu neue Aufgaben für die aus den Kämpfen hervorgegangenen Halb­­invaliden. All das musste irgendwann zum endgültigen Ausschluss des Boxens aus der Reihe gesellschaftlich akzeptabler Sportarten führen. Bis heute hängt dieser Makel an einer Sportart, der einst ein britischer Adliger, John Sholto Douglas der neunte Marquess of Queensberry, im 19. Jahrhundert ihr zivilisatorisches Gewand verpasste.

Trotz dieses Image schlägt sich der internationale Boxsport weiterhin wacker. In Großbritannien und den USA fegen Schwergewichtskämpfe die Straßen leer. Dort werden die größten Börsen erzielt. Das ist auch der Grund, weshalb der Brite ­Tyson Fury und der deutsche Nachwuchskämpfer Tom Schwarz ihren Kampf am 15. Juni in der US-amerikanischen Wüstenstadt Las Vegas veranstalten werden.