Eine Berliner Kneipe kämpft ums Überleben

Kneipen denen, die drin saufen

Ende einer Legende? Die linke Kneipe »Syndikat« steht nach 33 Jahren vor dem Aus. Die Fans der Neuköllner Kneipe wollen sich das nicht bieten lassen. Die Größe ihres Gegners beeindruckt sie nicht.
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Am Berliner Kurfürstendamm bestimmen teure Boutiquen von Gucci, Chanel und Hugo Boss das Straßenbild. Laute Musik, Punkrock noch dazu, Polizeischutz für ein Bürogebäude und 30 wütende Unterstützer einer Kneipe aus Neukölln sorgten deshalb am Donnerstag vergangener Woche für Irri­tationen auf der Einkaufsstraße. Das Kneipenkollektiv »Syndikat« steht nach 33 Jahren vor dem Aus, der Mietvertrag war nicht verlängert worden. Das nehmen die Demonstranten persönlich, wie sie mehrfach betonten. Sie standen vor dem Sitz von »Pears Global Real Estate«, einem Immobilienkonzern, dem allein in Berlin mehr als 3 000 Wohnungen gehören sollen. Der Tagesspiegel schrieb kürzlich von einem »verdeckten Imperium«, das schwer fassbar sei, weil es aus zahlreichen Briefkastenfirmen bestehe.

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Die Demonstranten am Kurfürstendamm ließen sich von der Größe ihres Gegners nicht beeindrucken, in Redebeiträgen gaben sie sich kämpferisch. Die meisten Passanten zeigten sich irritiert von dem Protest. Die Flyer des »Syndikats« nahmen sie aber trotzdem.

Ortswechsel: Neukölln, Heimspiel für die Freundinnen und Freunde der Kneipe. Mehr als 100 Menschen kamen dort eine Stunde später zur zweiten Kundgebung des Tages, diesmal direkt vor dem »Syndikat«. Die Straße war gesperrt, ein jodelndes Duo trat auf, die Polizei hielt sich zurück. Trotz des nahenden Räumungsprozesses Ende Oktober war die Stimmung entspannt, vielleicht auch wegen der großen Solidarität, die den Betreibern hier entgegengebracht wurde. Zuspruch erhielten sie von anderen linken Kneipenprojekten wie der »Meuterei«, einem Kollektiv aus Kreuzberg, das ebenfalls bald schließen soll.