Rechter Alltag in Deutschland

Deutsches Haus #31

Bombendrohungen gegen Moscheen und die Parteizentrale der Linkspartei.
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Am Abend des 23. Juli beleidigte ein Unbekannter im Berliner Bezirk Spandau einen 38jährigen auf rassistische Weise und griff ihn körperlich an. Wie die Polizei meldete, hatte das Opfer zuvor einen Gebetsteppich auf dem Gehweg ausgelegt. Der Mann setzte sich mit einem Fahrradschloss zur Wehr. Eine Anwohnerin, die den Streit verfolgt hatte, bewarf den 38jährigen mit gefüllten Mülltüten und beleidigte ihn ebenfalls.

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Am selben Tag beleidigten im Berliner Bezirk Neukölln zwei Männer einen Verkäufer beim Verlassen seines Geschäfts auf rassistische Weise. Auf dem Gehweg rief einer der Männer zudem zwei Frauen homophobe Beleidigungen zu, wie die Berliner Polizei meldete. Die beiden Männer entfernten sich unerkannt auf Fahrrädern vom Ort des Geschehens.

In der Nacht auf den 22. Juli riefen im Berliner Bezirk Lichtenberg zwei Männer im Alter von 24 beziehungsweise 45 Jahren nationalsozialistische Parolen. Angaben der Polizei zufolge zeigte einer der Männer zudem den Hitlergruß. Ein Zeuge alarmierte die Polizei, die die beiden Männer vorläufig festnahm. Sie waren zusammen mit einer Frau unterwegs, alle drei sollen alkoholisiert gewesen sein. Den Männern droht nun ein Verfahren wegen der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen.

Unbekannte sandten am 22. Juli per E-Mail Bombendrohungen an die Bundeszentrale der Partei »Die Linke« in Berlin und an Moscheen in Mannheim (Baden-Württemberg), Duisburg (Nordrhein-Westfalen) und Mainz (Rheinland-Pfalz). Wie die Rhein-Neckar-Zeitung berichtete, durchsuchte die Polizei die betroffenen Gebäude, fand jedoch keinen Sprengstoff. Die Drohschreiben waren in allen Fällen mit »Combat 18« unterschrieben, dem bewaffneten Arm des verbotenen Netzwerks »Blood & Honour«; sie gingen am Vormittag ein und kündigten jeweils eine Bombenexplosion für den Nachmittag an.

In Freiburg (Baden-Württemberg) kam es am 13. Juli zu einem antisemitischen Vorfall, wie das Magazin Focus berichtete. Ein Mann ging auf die Vorsitzende der Freiburger jüdischen Gemeinde los und beschimpfte sie, als sie gerade Gemeindemitglieder zum Gottesdienst begrüßen wollte. Erst als eine Passantin zu Hilfe eilte und die Polizei rief, ließ der Mann die 62jährige in Ruhe, nachdem er sie zuvor auf antisemitische und sexistische Weise beleidigt hatte. Die alarmierte Polizei stellte den Mann wenig später in der Innenstadt.

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