Die preisgekrönte Reportage

Blitzkrieg im Bordbistro

Die Bundeswehr soll sichtbarer werden.

»Guten Tag, Herr Oberstabsfeldwebel! Und guten Appetit!« Die Kassenan­gestellte in der Backwerk-Filiale salutiert zackig, als sie OStFw Martin Rehm seine Tüte mit Zimt-Wuppis überreicht: »Habe mir erlaubt, Ihnen noch ein Vanille-Klumpi mit rein­zugeben. Eine Aufmerksamkeit des Hauses für den Soldatenstand!« Rehm nimmt die Leckereien entgegen, tätschelt der Kraft noch ein­mal anerkennend den Kopf – und bezahlt dann einfach mit einem Lächeln.

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Wenige Wochen nach dem Vorstoß von Annegret Kramp-Karrenbauer steht die neue Anerkennungskultur für die kämpfende Klasse bereits in voller Blüte. Das neue »Gute-Soldaten-Gesetz« verleiht den Wehrtätigen zahlreiche Privilegien: Sie dürfen im ICE gratis mitfahren, sofern sie auf Verlangen eine entsicherte Maschinenpistole vorzeigen können. Sie dürfen im Flugzeug rauchen und bei längeren Reisen kleine Kinder spontan als Fußablage rekrutieren. Die neue Anerkennung zeige sich aber vor allem im Alltag, sagt Rehm: »Früher wurden wir Soldaten als notwendi­ges Übel verstanden: Irgendwo zwischen Abdecker, Leichenwäscher und Bahnhofsschläger. Seit wir Sachen umsonst kriegen, halten uns aber plötz­lich alle für Influencer!«

Die neue Mobilität, die deutsche Soldaten mit den Gratis-Tickets der Deutschen Bahn erhalten, bedeutet eine nie dagewesene Sichtbarkeit der »stillen Reservearmee«, wie die Bundeswehr auch oft genannt wird. »Für den Durchschnittsfahrgast ist es schwer zu sehen, ob ein Soldat zu einem Krisenherd unterwegs ist – oder einfach privat bei einem Rechtsrockkonzert entspannen will«, sagt ein Bahnsprecher. »Beides flößt jedoch sofort Vertrauen ein.«

Auch an Tankstellen sind Uniform­träger neuerdings gern gesehen, verrät der Dortmunder Pächter Nandu Schmittlein: »Wenn die dicht an einem Tanklaster stehen, weiß ich wenigstens, dass der nicht sofort bombardiert wird. Das erhöht auch mein Sicherheitsgefühl!« Die Ministerin ist sicher, dass dies erst der Anfang sein kann: »Wir brauchen Soldaten als Tierpfleger, als Bademeister, als Babysitter oder Krankenhausclowns«, sagte sie zuletzt bei Plasberg. »Nur durch strenge soldatische Vorbilder können wir die Geißel Homosexua­lität sinnvoll bekämpfen.«