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Lügenpresse! Lügenwessis!

Man müsse die Ängste und Sorgen der Ostdeutschen endlich ernst nehmen, wird ständig behauptet. Warum eigentlich?
Kolumne Von

Da fühlt man sich ohnehin schon von Idioten umzingelt und dann macht man am Sonntag Abend nach der Wahl in Thüringen den Fernseher an und da sitzt jemand von der AfD und Sahra Wagenknecht und die geben zu Protokoll, jetzt müsse man aber wirklich endlich die Sorgen und Ängste ernst nehmen (außer die von meinen Freunden und mir, ­natürlich), und das hört und hört nicht auf und natürlich ist es jetzt nicht die Riesenüberraschung, aber dieses penetrante AfD-Gewähle in einigen Bundesländern ist doch zumindest sehr, sehr lästig, um es wohlwollend zu sagen. Zumal dazu nun schon seit fast 30 Jahren das penetrante Beleidigtsein gehört, und das grob darüber, dass es die DDR nicht mehr gibt und man nun in einem Staat mit fremden Leuten leben muss, was man zwar einerseits so gewollt hat, aber andererseits doch nicht so, und so nun schon gar nicht, und bloß weil man was gegen Juden, Flüchtlinge und linksversiffte Gutmenschen hat, ist man doch nun wirklich noch lange kein Nazi, so eine Unverschämtheit, Lügenpresse! Und überhaupt, Lügenwessis! 

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So geht das Gejammer und Genöle und Beleidigtsein dann noch Wochen, ach was Monate nach der Wahl weiter, weil endlich müsse man mal so richtig ernst genommen werden mit den Ängsten und Sorgen, nix darf man hier sagen, blöde Meinungsdiktatur, und schließlich kommen diese Leute zu Wort und sagen in irgendeine Fernsehkamera irgendwas hinein und dann gibt es wieder Geheule, weil das haben sie doch so gar nicht gesagt und neinneinnein, das ist doch nicht rechts, wenn man das sagt, sondern bloß Meinungsfreiheit und dann wird irgendwann wieder gewählt und das Ganze geht noch einmal von vorne los.