Das Mysterium der Gurken

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Thüringen, Sturm »Sabine«, CDU und wer weiß, was bis zum Erscheinen dieser Ausgabe noch alles passiert. Weswegen es heute um etwas sehr Hübsches geht, nämlich um das große Gurken-Mysterium. Das aber eigentlich the great pickle mystery heißt, weil es nämlich in den USA, genauer gesagt in Des Peres, Missouri beheimatet ist beziehungsweise noch genauer auf der Betoneinfassung einer dortigen Highway-Auffahrt. Dort hatte jemand zum ersten Mal im Jahr 2012 ein Glas Gurken abgestellt; warum, weiß man nicht, ebensowenig, wer das war. Natürlich blieben die ursprünglichen Gurken dort nicht acht Jahre stehen, ganz und gar nicht. Aber jedes Mal, wenn sie verschwanden, fand sich jemand, der oder die ein neues Glas hinstellte. Nun hat die Vorstellung, dass ein fehlendes Gurkenglas immer wieder Menschen so beschäftigt, dass sie in ein Geschäft gehen, um ein neues zu kaufen und es dann auf einem Stück Beton abzustellen, etwas sehr Schönes, denn es handelt sich um einen selbstlosen Akt, der nur dazu dient, anderen Menschen Freude zu machen – sogar sehr vielen Menschen, die Gurkeninstallation hat sogar eine eigene Facebook-Fanpage mit mehr als 4 500 Anhängern, was nun wirklich nicht schlecht ist für ein eigentlich ziemlich abscheuliches Lebensmittel, aber um Geschmacksfragen geht es ja in diesem Fall nicht. Die Fans sind sehr rührig, posten Fotos des jeweils dort abgestellten Gurkenglases, schlagen Alarm, wenn es mal wieder hinterrücks der Straßenreinigung, dem Wetter oder anderen Machenschaften zum Opfer gefallen ist und vertreiben sich ansonsten die Zeit mit selbst für Gurkenhasserinnen sehr lustigen Bildchen und bemerkenswert wenig Streit, was in aufregenden Zeiten wie diesen sehr wohltuend ist. Derzeit sind die Gurken übrigens weg, aber bis Donnerstag kann sich das zum Glück auch wieder geändert haben.

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