Ein Bericht über vermeintliche Deutschenfeindlichkeit in Norwegen

Der Wahn und Hermann Hesse

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Ein Fall von Deutschenfeindlichkeit trug sich kürzlich in Norwegen zu. Das fand jedenfalls eine deutsche Studentin, die einem Professor der Universität Bergen den Spruch »Die Deutschen waren früher schon einmal hier, und jetzt schleichen sie sich wieder herein« sehr, sehr übel nahm. Wobei rein faktisch an der Bemerkung nichts falsch ist, denn die Kinder und Enkel der deutschen Besatzer fahren sehr gern nach Norwegen in den Urlaub, um dort illegal zu fischen, von den mitgebrachten Vorräten zu leben, die schöne Natur im Wohnmobil zu genießen und sich furchtbar aufzuregen, wenn ein Fremdenführer nicht blond und weiß, sondern dunkelhäutig ist. Wo komm’ wir denn da hin!

Um die fürch-ter-lich-e Deutschendiskriminierung gab es dann jedenfalls viel Aufregung in den norwegischen Medien. Sogar Politiker mischten sich ein, es gab ja sonst nicht viel zu tun während der Coronapandemie. Nachdem die Debatte für den Professoren folgenlos blieb, hat die Studentin nun noch einmal nachgelegt. Sie möchte Schadenersatz für gesundheitliche, ökonomische und karrieretechnische Diskriminierungsfolgen, was ein bisschen irritierend ist, da ihr Name nirgends genannt wurde. Und außerdem prangert sie nun mit Hilfe ihrer Anwältin einen Fall von Hermann-Hesse-Diskriminierung an, denn besagter Professor erzählte im August vorigen Jahres in seiner Vorlesung, dass in den siebziger Jahren in Bergen das Gerücht um­gegangen sei, ein Student sei nach Lektüre von Hesses Roman »Steppenwolf« wahnsinnig geworden. Er habe überall auf die Straßen der Stadt das Wort steppeulven geschrieben, den norwegischen Titel des Buchs. Die Studentin, so deren Anwältin, habe seine Äußerung so aufgefasst, als wolle der Professor sagen, dass die Lektüre von Hesse generell wahnsinnig mache. Im Oktober wird sich nun die Leitung der Universität mit den erhobenen Vorwürfen beschäftigen.

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