Bei der Pressekonferenz der »Initiative GG 5.3 Weltoffenheit«

Der Diskursraum wird irrer

Die »Initiative GG 5.3 Weltoffenheit« denkt quer gegen Israel.
Die preisgekrönte Reportage Von

Es sind klare Worte, die vergangene Woche im Saal des Deutschen Theaters in Berlin erklangen: »Es muss möglich sein, zu Israel solidarisch zu sein und es trotzdem zu kritisieren! Die ganze Zeit. Wenn ich jemanden sehr gerne habe, kritisiere ich ihn ununterbrochen! Fragen sie mal meine Frau!« Der Vortrag eröffnet die Pressekonferenz der »Initiative GG 5.3 Weltoffenheit«, ein Name, der mit seinem starken Verfassungsbezug einen Hauch von Querdenken-Demo besitzt. Doch der erste Eindruck täuscht: Hier sind ausnahmsweise keine Leute, von denen man sich fragt, ob sie mit ihrer Zeit nichts Besseres anzufangen haben, sondern Wissenschaftler, Künstler und Theatermacher versammelt. Es sind Menschen, die sonst eher nicht dafür bekannt sind, sich bei ihrer Kritik am Handeln Israels zurückzuhalten. Trotzdem fühlen sie sich eingeschränkt: Der BDS-Beschluss des Bundestages mache es unmöglich, Kritik am Staat Israel zu äußern.

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»Wo findet Israelkritik heute überhaupt noch statt?« fragt der Redner. »Ausschließlich in Nischenmedien wie Arte, den Öffentlich-Rechtlichen, der Süddeutschen, dem Deutschlandfunk und circa hunderttausend Youtube-Videos. Das ist zu wenig!« Applaus von den Rängen. »Die Tatsache, dass hier nur wenige Dutzend prominente Künstler und Wissenschaftler auf einer der wichtigsten Theaterbühnen des Landes zusammenkommen, zeigt, wie stark der Diskursraum bereits eingeschränkt ist«, ruft der Eingangsredner aus. Er verweist auf eine Studie, nach der 39,4 Prozent der Befragten der Aussage »Was der Staat Israel heute mit den Palästinensern macht, ist im Prinzip auch nichts anderes als das, was die Nazis im Dritten Reich mit den Juden gemacht haben« zustimmen. »Das ist natürlich eine krasse Aussage! Aber sie muss weiter möglich bleiben. Und sie ist es ja auch, sie ist vom BDS-Beschluss überhaupt nicht betroffen. Sie könnte es aber sein!«

Der Redner kommt zum Schluss: »Ich bin auch kein Freund von BDS, ich unterstütze die Bewegung lediglich kritisch, mit Aufmerksamkeit, Öffentlichkeit und Geld. Kritischer Öffentlichkeit und kritischem Geld! Es darf aber nicht sein, dass Leute, die ­einen Boykott fordern, boykottiert werden! Ein Anti-Boykott-Boykott muss von uns entschlossen boykottiert werden!« Ein starkes Statement, von dem die Debatte hoffentlich noch lange zehren wird.

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.