M. T. Hadley besingt auf seiner neuen EP die Liebe

British Elend

Der britische Singer-Songwriter M. T. Hadley tauscht auf seiner neuen EP Synthesizer und Drum Machine gegen ein klassisches Klavier ein und besingt – wieder einmal – die Liebe.

Bekannt wurde der britische Songwriter M. T. Hadley 2016 mit seiner Single »Janet«, in der er in einem eigenwilligen und nüchternen Ton über den Tod seiner Mutter sang. In den vergangenen Jahren entwickelte sie sich zu einem Indie-Hit, auch dank prominenter Fans wie Frank Ocean.

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»Janet« und das 2019 folgende Debütalbum »Empty« waren musikalisch sehr nah an britischen Zeitgenossen wie James Blake, Jai Paul oder Metronomy (für die er schon einen Song mitschrieb) – sie hoben sich einzig durch die schon erwähnte erfrischend nüchterne Lyrik ab. ­Dagegen ist Hadleys neue EP »There Isn’t a Window That I Won’t Look Out Of« näher an den unzähligen britischen Balladen nicht nur von heute, sondern der vergangenen 50 Jahre.

Auf »Pardon Me« schneidet Hadleys fast schon zu perfektes Falsett (vermutlich etwas durch die Produktion unterstützt) durch ein klassisches Arrangement aus Streichern und Klavier: »You have no memories / Only this song /As a keepsake« – Vergleiche mit dem frühen Elton John werden laut.

Diese Ode an die bewusstseinsverändernde Wirkung einer unerwiderten Liebe ist textlich der stärkste Titel auf der EP. Wenn Hadley subtil entgegen der Erwartung das »You« mit einem »I« vertauscht und Grenzen aufweichen lässt (»But there’s no space for me/And now that I’m gone /Again I’m alone (…) There’s no escaping me / The prison I built / I built for myself«), fragt sich auch der Zuhörer unweigerlich: Immer »ich«, warum nie »wir«? »Pardon Me« ist so hypnotisierend, dass der Opener »Suddenly« und auch »You Know When to Laugh« trotz ebenfalls ­hoher lyrischer und musikalischer Qualität in den Hintergrund rücken.

»Suddenly«, nach Aussage des Musikers ein Lied über die Mutter aller unerwiderten Lieben, die Urlaubsro­manze, zeichnet das Bild eines hoffnungslosen Melancholikers: »And I’ll do anything for love, no I don’t care (…) Tell Dr. Freud he won’t have company/ Therapy’s a thing I value / But not when it’s just something I don’t need.«

Bei solchen Zeilen verwundert es nicht, dass sich die zwei bisherigen Videoveröffentlichungen nur um den Künstler drehen. Im Video zu »Suddenly« rotieren Kamera und Subjekt ständig umeinander und Hadleys Gesicht in Nahaufnahme verschwindet immer wieder aus dem Bildausschnitt und in der Unschärfe, um kurz danach wieder aus einem anderen Winkel aufzutauchen.

Das Video zu »You Know When to Laugh« haben Hadley und der Videoproduzent Jacek Zmarz im altehrwürdigen Londoner Syon Park aufgenommen. Der Panoramaausschnitt der Kamera dreht sich inmitten ­einer idyllischen Szenerie kontinuierlich um sich selbst, während Hadley ­immer wieder der Kamera hinterherrennt, um seinen Klavierstuhl und sein Keyboard aufzubauen, bevor er mal wieder aus dem Rahmen verschwindet.

Das reuelose Selbstmitleid, das der Romantiker ausdrückt, wenn er sich im Zentrum der Welt (oder in diesem Fall des Bildes) platzieren will, ist bei Hadley nicht narzisstisch oder selbstgefällig, sondern außerordentlich charmant. Neu erfunden hat er das Liebeslied nicht und er ist auch nicht der Erste, der die Aussichtslosigkeit seiner in Worte und Klänge übersetzten Gefühle erkennt – dessen scheint er sich bewusst –, aber ganz sicher ist er auch nicht der Letzte.

M. T. Hadley: There Isn’t a Window That I Won’t Look Out Of (Empty Records)