Chronik rassistischer und antisemitischer Vorfälle

Deutsches Haus #9/2021

Wie aus einem Bericht des MDR vom 20. Februar hervorgeht, erhebt eine kenianische Familie schwere Vorwürfe gegen die Polizei in Chemnitz (Sachsen). Sie feierte in der Nacht auf den 31. Januar in ihrer Wohnung den Geburtstag ihres Sohns. Ein Nachbar verständigte wegen Ruhestörung die Polizei, die Beamten stellten jedoch keine Verstöße fest und fuhren wieder weg. Nach einer weiteren Beschwerde begaben sich die Beamten ein zweites Mal zur Wohnung der Familie, wo sie nach eigenen Angaben laute Musik feststellten und deshalb um Einlass baten. Den Aussagen der Familie zufolge gingen die sechs Polizisten in der Wohnung sehr aggressiv vor, drohten der Mutter zunächst Gewahrsam an, den sie schließlich mit Gewalt durchsetzten. Zudem traten sie den Angaben der Mutter zufolge dem Vater mehrmals ­gegen den Fuß. Auf der Wache musste sich die Frau im Beisein eines Polizisten vollständig entkleiden. Da sie über starke Schmerzen im Handgelenk klagte, brachten Beamte sie in die Notaufnahme eines Krankenhauses. Im Anschluss weigerten sich die Polizisten zunächst, die Frau zurück zu ihrer Wohnung zu fahren, und sagten deren Angaben zufolge: »Du bist doch Kenianerin. Ihr könnt doch alle laufen.« Dann brachten sie die Frau doch zurück nach Hause. Ein Arzt stellte zwei Tage später bei dem Vater eine Fraktur im Fuß fest. Die Polizei gab auf Nachfrage des MDR an, die Beamten hätten den Mann nicht berührt und auch keine rassistischen Äußerungen getätigt. Das Paar hat Anzeige erstattet. Am Vormittag des 20. Februar zeigte ein Mann auf dem Albertplatz in Dresden (Sachsen) den Hitlergruß. Einem Bericht der Polizei zufolge rief er zudem rassistische und rechtsextreme Parolen und versuchte, mehrere Passanten zu schlagen, was ihm jedoch nicht gelang. Als alarmierte Polizeibeamte eintrafen, zeigte er nochmals den Hitlergruß und wiederholte die Parolen. Gegen den 37jährigen Verdächtigen wird unter anderem wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und versuchter Körperverletzung ermittelt. Wie die Landespolizeiinspektion Erfurt (Thüringen) berichtete, beschimpften zwei Männer am Abend des 20. Februar an einer Straßenbahnhaltestelle im Norden Erfurts einen Unbekannten mit rassistischen Sprüchen, zudem grölten sie nationalsozialistische Parolen. Die beiden stiegen dann mit einer Begleiterin in einen Bus ein. Die alarmierte Polizei hielt das Fahrzeug kurz darauf an und nahm die Personalien der drei Personen auf. Die beiden Männer im Alter von 21 und 31 Jahren waren alkoholisiert. Gegen sie erging eine Anzeige. Die Erfurter Kriminalpolizei ermittelt. mst

Anzeige