Das Medium: Die Sonntagsfrage

Alle unwählbar

Kolumne Von

Das wird alles noch sehr, sehr anstrengend, also jetzt nicht die Pandemie, die ist es ja schon, sondern der Wahlkampf mit all diesen Leuten. Laschet, Söder, Baerbock, genauer geht es nicht, jetzt im Moment steht nämlich noch nicht fest, wer von den beiden Männern der christdemokratische Kandidat wird. Was aber auch egal ist, denn wählbar ist keine der antretenden Parteien: Die AfD aus Prinzip nicht, die Linke hat Wagenknecht und Antisemitismus, die Grünen haben das heutzutage bei »Querdenker«-Demos beliebte judenfeindliche Esogeschwurbel erst richtig groß gemacht, die CDU/CSU hat bald keine Merkel mehr und die FDP immer noch diesen Dingens.

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Bis zum 26. September wird also ein großes Geschrei sein und die Fanboys und -girls dieser und jener Partei werden einem rund um die Uhr auf die Nerven gehen, weil, klar, Wahlberechtigte schätzen es immens, dauerbelatschert oder beleidigt zu werden, und entscheiden sich am Ende immer, immer, immer für die Politik, deren Anhänger und Anhängerinnen virtuell am lautesten grölen können. Weil sie nämlich, so offenkundig die Grundannahme, zu blöd sind, von allein zu wissen, was sie wollen oder im vorliegenden Fall nicht wollen. Eine »erbärmliche Existenz« nannte mich beispielsweise heute Nacht ein Mitarbeiter der Berliner Fraktion der Linkspartei auf Twitter und schrieb weiter, ich fröne einer »aussterbenden altlinken Kultur«, was immer das sein mag.

Mit etwas Glück ist aber wenigstens bis Ende September die Pandemie vorbei und man kann den letzten Teil der Daueraufregung woanders verbringen und das Ergebnis bloß aus der Ferne zur Kenntnis nehmen. Im ungünstigsten Fall – nein, daran wollen wir jetzt nicht denken, auf keinen Fall wollen wir das.

Aber es sind ja auch nur ein paar Monate Wahlkampf, und wenn der vorbei ist, ist schon wieder Herbstelend, so schnell geht das.