Platte Buch: Magik Markers: 2020

Aus einem Guss

Elisa Ambrogio klingt traurig. Im ersten Song auf der neuen Platte ihrer Band Magik Markers mit dem Titel »Surf’s Up« singt sie lustlos, ja geradezu matt ihre Zeilen, während im Hintergrund lapidar auf einem Klavier geklimpert wird – und das acht Minuten lang.

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Den eher ruhigen Song (obwohl das auch nicht wirklich stimmt, immerhin lärmt da auch minutenlang eine Gitarre) nahm das Musikmagazin Pitchfork sogar zum Anlass, zu verkünden, die seit 2001 bestehende Band würde mit ihrem neuen Album »2020« (das noch knapp im titelgebenden Jahr veröffentlicht wurde) vollends soft werden.

Doch so ganz stimmt das nicht. Auf den unzähligen Veröffentlichungen der nie zu großer Bekanntheit gelangten Noise-Rock-Band aus Hartford, Connecticut, finden sich immer wieder ruhige Stellen und unterschiedliche, eben auch ruhigere Instrumen­te und Arrangements.

Das ist nicht nur Eklektizismus geschuldet, sondern auch dem Wunsch der Band, sich in teilweise persiflierender Absicht den Rock-Genres der vergangenen Jahrzehnte zu widmen. Auf ihren Platten spielt die schon seit längerem zum Duo geschrumpfte Gruppe nicht nur irre Noise-Explosionen, sondern auch Psychedelic, Indie, Country und ziemlich klassischen Hardrock, wenn auch mit zu verrückten Texten, als dass er gut im Stadion ankommen würde.

Auch auf »2020« gibt es so einen Song, dessen Riffs sehr deutlich an jene zum Beispiel aus »Paranoid« von Black Sabbath erinnern. Dieses Lied mit dem Titel »That Dream (Shitty Beach)« ist nicht nur eines der besten der Platte, sondern in seinem Mix aus absichtlich schludrig gespielten Instrumenten und der perfekten Produktion die Quintessenz der wohl besten Platte, die Magik Markers bisher vorgelegt haben.

»2020« wirkt nämlich wie aus einem Guss, was bei früheren Veröffentlichungen nicht der Fall war. Zum Beispiel »Boss« von 2007 war eine super Platte, aber zu viel durcheinander, um als Album zu funktionieren. Dass Pitchfork anscheinend das Kuddelmuddel vorzieht, muss Magik Markers aber nicht weiter stören. Um es mit Ambrogios Zeilen aus »Surf’s Up« zu sagen: »Don’t worry about what they say.«