Die Pandemie-Songs der Berliner Band Cremant Ding Dong

Band mit Katze

Die Berliner Band Cremant Ding Dong begleitet den Lockdown musikalisch.

Manchmal kann Musik auf eine unaufdringliche Art politisch, dabei aber trotzdem tröstlich und lustig sein. Die Songs der Band Cremant Ding Dong sind genau das – auf eine sehr kuschelige Art und Weise. Das liegt nicht nur an den Songs, in denen es um das Leben im Lockdown geht. Es liegt auch an den Videos. Da sitzen drei typische Kreuzberger Gestalten um den Tisch in ihrer WG-Küche und machen auf skurrilen Instrumenten gemütliche Musik – und zwar live. Und während die drei musizieren, guckt eine Katze in die Kamera.

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Als »Frontkatze« bezeichnet die Band das Tier. »Die Katze heißt Eva, sie ist Russin und kommt aus Moskau«, erzählt Gwendolin Tägert, Sängerin und Pocket-Pianistin, im Gespräch mit der Jungle World. »Sie wohnt mit mir und Endai zusam­men und hat nur noch einen Zahn, dafür umso mehr Musikgeschmack.«

Endai Hüdl ist der Techniker der Truppe. »Das Pocket-Piano ist ein kleines Keyboard mit Holzknöpfen und kommt aus Brooklyn, New York«, erklärt er. »Man muss es vor dem Spielen auf die richtige Ton­höhe stimmen, was manchmal nicht ganz einfach ist, aber Gwendolin spielt damit meisterhafte Melodien.« Er selbst spielt bei den Aufnahmen einen Einsnulleins. »Das ist ein alter Synthesizer aus Japan.« Gleichzeitig programmierte er eine superkleine Drummachine aus Schweden, die aussieht wie ein Taschenrechner. Das dritte Bandmitglied ist Franky Fuzz. »Franky spielt die Gitarre durch ein billiges Effekt-Pedal aus China«, erläutert Hüdl.

Man merkt schon: Hier hat man es mit äußerst entspannten Musikern zu tun. »Also, von mir aus kannst du es gern Lo-Fi-Pop nennen«, meint Hüdl. Vorbilder haben sie wie jede Band natürlich nicht. »Gwendolin und ich mochten schon immer gern Musik, die nach Lo-Fi klingt, wir lieben Bands wie The Go Team, Stereo Total und Guided by Voices.« Und ein bisschen hört man das.

»Mein Vorbild für Cremant Ding Dong ist Endai«, sagt Tägert. »Er verfolgt die Strategie, alles schnell zu machen, dem ersten Impuls zu folgen und nicht so lange drüber zu grübeln.« Das habe sie erst lernen müssen, finde es aber nun sehr befreiend, dass nicht alles perfekt sein müsse. »Es geht bei uns jetzt eher um den Spaß am gemeinsamen Musizieren als um den perfekt klingenden Popsong.« Das sieht auch der Gitarrist Franky Fuzz so. »Musik in einer Band war für mich bislang immer: Einer schreibt einen Song und die anderen versuchen, das dann zu spielen. Aber hier macht es mir viel mehr Spaß, weil wir wirklich alles gemeinsam machen.«

Zu Beginn des ersten Lockdowns stellten die drei ihr erstes WG-Küchenvideo »Wir sehen uns später« auf Youtube online. Es avancierte zu einem kleinen Hit. »Paar Wochen auf Abstand gehen / Bis wir uns wiedersehen / Zu Hause bleiben / Kannst mir ja mal schreiben«, singt Tägert da. Ein entspannteres Lockdown-Feeling gab es nirgendwo. »Ich hab paar Flaschen Wein / Was soll schon sein /Wir sehen uns später!«

»Bei ›Wir sehen uns später‹ haben wir ziemlich spontan versucht, einen aktuellen Moment einzufangen«, berichtet Franky Fuzz. »Die Vorgehensweise, mit einem Lied fast in Echtzeit einen Kommentar abzugeben, hat uns dabei gut gefallen. Das hat uns motiviert, damit weiterzumachen, und die drängenden Themen blieben ja nun doch länger als gedacht eng mit Corona verbunden.«

Im November folgte »Testergeb­nis liegt noch nicht vor«. Der Song handelt von jenen Zeiten, als es noch keine Schnelltests auf Covid-19 gab. Im März kam passend zur Impfkampagne das Lied »Impfangebot«. »Seit mein Baby geimpft ist  teht sie nur noch auf Geimpfte«, heißt es da. Zum Coronazyklus der Band gehören auch die Songs »Böllerverbot« und »Ich geh nie wieder spazieren« – Minipolitpop auf höchstem Niveau.

Auch jene Songs und Videos der Band, in denen es nicht um die Pandemie geht, sind äußerst empfehlenswert. Beispielsweise »Umzug«, das nicht in der WG-Küche spielt. »Die Songs entstehen immer durch eine Art Jam über ein bis zwei Sätze, dazu trinken wir Weißweinschorle«, erzählt Tägert.

Vielleicht spricht es auch für die Qualität der Songs, dass die Nachbarn sich noch nie beschwert haben. »Nee, unsere Nachbarn sind cool, die sind Fans von uns und freuen sich, wenn es neue Songs gibt«, erzählt Tägert.

Die drei kennen sich schon seit zehn Jahren. Cremant Ding Dong gibt es aber erst seit 2019. Küchenvideos werden sie weiterhin machen, schon allein, damit Katze Eva nicht traurig ist. »Mit uns geht es immer so weiter«, verspricht Tägert. »Tagesaktuelle Songs zu machen und direkt zu veröffentlichen, kann ich mir auch weiterhin gut vorstellen, das geht ja auch zu anderen Themen«, ergänzt Franky Fuzz.