Homestory

Homestory #25

Sie wird liebevoll nur »Telko« genannt, aber reibungslos – an dieser Stelle wurde schon mehrere Male darüber berichtet – lief sie nie ab, die Telefonkonferenz. Das Knacken und Rauschen und Brummen, mit dem sich die Redaktion Ihrer Lieblingszeitung im vergangenen Jahr herumschlagen musste, hat sich zwar verzogen, dafür sind aber neue Komplikationen aufgetreten.

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Letztens wollte es beim üblichen Telefonkonferenzanbieter einfach nicht klappen, also musste ein neuer Service her. Dieser hielt eine etwas überfordernde Neuerung bereit: Wählte man sich ein, wurde man von einer freundlichen Computerstimme dazu aufgefordert, seinen Namen zu sagen. Wieso nur, fragten sich einige; die Lösung ließ nicht lange auf sich warten: Sobald man zur Konferenz zugeschaltet wurde, ertönte ein Gong und der Name, den man kurz davor gesagt hatte, wurde als Info für alle anderen abgespielt. Zumindest in der Theorie. Denn praktisch waren einige Kolleginnen und Kollegen so überfordert, dass zur Konferenz auch schon mal ein »Ähm« oder auch einfach nur Stille vorgestellt wurde.

Manche Kollegen kann man öfter mal sehr schlecht verstehen. Das kann daran liegen, dass sie zu leise sind, oder auch mal daran, dass sie zu laut sind, beispielsweise als die Stimme des einen Kollegen plötzlich so stark hallte, dass er auch locker die Kommentare im Stadion oder die einfahrenden Züge im Bahnhof hätte ansagen können. Es gibt aber auch neue zu entschlüsselnde Geräusche, beziehungsweise ein Kollege hört diese schon länger, konnte sich aber bis vor kurzem keinen Reim auf sie machen. Eines davon, eine Art Kratzen, erinnerte den Kollegen immer an das Geräusch, das Bleistifte beim Anspitzen machen. Die Stifte werden sicherlich gespitzt, um Geschichten zu schreiben, aber ratsch-ratsch-ratsch – da kam Redaktionsflair auf. Doch so aufregend war das Kratzen dann doch nicht, denn die Quelle war das Jog Dial. So heißt das Rädchen an der Computermaus, mit dem man scrollt. Das ergibt auch mehr Sinn, denn auch wenn der Bleistift mächtiger ist als das Schwert, wieso sollte man ausgerechnet während einer Telefonkonferenz alle seine verfügbaren Stifte jede Woche aufs Neue frisch anspitzen?