Auch für kuriose Forschungs­arbeiten werden Preise verliehen

Heitere Wissenschaft

Laborbericht Von

Als Highlight des Wissenschaftsjahres gilt allgemein die Bekanntgabe der Nobelpreisträger Anfang Oktober. Die Geehrten dürfen sich über eine hübsche Summe Geld, eine Medaille zum Angeben und einen Handschlag mit dem schwedischen König freuen.

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Besonders Glücklichen winkt zudem eine tragende Rolle bei einem jährlichen Event, das seit 31 Jahren veranstaltet wird. Bereits am 9. September wurden die Ig-Nobelpreise verliehen, die die Initiatoren der Zeitschrift Annals of Improbable Research für Leistungen vergeben, »die einen erst zum Lachen und dann zum Nachdenken bringen«. Überreicht wurden die Preise wie immer von echten Nobelpreisträgerinnen und -trägern – pandemiebedingt leider zum zweiten Mal nur symbolisch bei einer Online-Veranstaltung statt vor großem Publikum in der Aula der Harvard University. Immerhin nahmen alle Ausgezeichneten den satirischen Preis an, was nicht immer der Fall ist.

Schließlich kann das Wortspiel Ig-Nobel als »ignoble« gelesen werden, was so viel heißt wie »schändlich, unwürdig«. Und so verzichteten etwa im vergangenen Jahr Donald Trump, Jair Bolsonaro, Boris Johnson und weitere Regierungschefs auf eine Teilnahme. Sie erhielten wegen ihrer Pandemiepolitik den Ig-Nobelpreis in der Kategorie »Medizinische Bildung« für den Nachweis, »dass Politiker einen größeren und schnelleren Einfluss auf Leben und Tod haben können als Wissenschaftler und Ärzte«.

Die meisten Ausgezeichneten fühlen sich allerdings durchaus geehrt, denn hauptsächlich wird der Preis für mehr oder minder ernsthafte Forschung mit kurioser Note vergeben: dieses Jahr etwa in der Kategorie »Medizin« für die Entdeckung, dass Orgasmen ebenso wirksam gegen eine verstopfte Nase sind wie Sprays, die die Schleimhäute abschwellen lassen. In der Sparte Ökologie ging der Preis an eine Forschungsgruppe, die benutzte Kaugummis vom Straßenpflaster gesammelt hatte, um zu untersuchen, welche Bakte­rien darauf siedeln; den Wirtschaftspreis erhielt ein Ökonom, der eine Korrelation zwischen dem Ausmaß der Korruption in postsowjetischen Staaten und dem Übergewicht von Politikern gefunden hat.

Auch die seit jeher beliebten Programmpunkte wie eine Oper im Miniaturformat, Papierfliegerzielwurf oder die »24/7 Lectures« – Forschende präsentieren ihre Arbeit zunächst in 24 Sekunden und anschließend in sieben allgemeinverständlichen Worten – kamen nicht zu kurz. Eine Aufzeichnung der Veranstaltung findet sich auf der Website von Improbable Research; dort kann man auch Geld spenden, um die fehlenden Ticket-Einnahmen wettzumachen, damit auch im kommenden Jahr wieder die fröhliche Wissenschaft gewürdigt werden kann – dann hoffentlich wieder als Bühnenshow, denn es ist empirisch nachgewiesen, dass das Papierfliegerwerfen in einem vollbesetzten Saal deutlich spaßiger ist als über Zoom.