Warten auf die Heilung des verletzten Knies

Ein Riss mit Folgen

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Das Gute an einem Meniskusriss ist, dass man so viel über das menschliche Knie lernt. Das, was man lernt, ist aber hauptsächlich, wie unzureichend so ein Menschenknie konstruiert ist, und so genau möchte man das eigentlich doch lieber nicht wissen. Außerdem ist unschön, dass Menisken nicht einfach in Ruhe von allein heilen, nein, nein, das können sie gar nicht, weswegen man anstrengende Meniskussachen tun muss, wie Ärzte zu besuchen und Physiotherapie-Termine zu vereinbaren. Was immer noch besser ist, als aufzugeben und sich von fremden Leuten mit zweifellos spitzen Gegenständen im Knie herumpopeln zu lassen, aber viel schöner wäre es, wenn man einfach nur dasitzen und heilen könnte. Oder interessantfarbene Kapseln und Tabletten einnehmen, die Mineralstoffe und Vitamine enthalten, welche den Meniskus garantiert wieder ganz machen,

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Und eigentlich sind Arzt- und Physiobesuche ja auch nicht so schlimm, wie sich bloß humpelnd fortbewegen zu können, wobei für Letzteres Schläppchen erforderlich sind, also diese weichen Gymnastik-Schlappen, die man zuletzt irgendwann in der Schule getragen hatte, als die Sportlehrerin überredet werden konnte, den ganzen Völkerball-Unsinn sein zu lassen und lieber ein bisschen was Yoga-Ähnliches anzubieten. Aber mittlerweile sind ja zum Glück Kuschelsocken mit rutschfesten Noppen erfunden worden, so dass dieser Schläppchen-Unfug nicht mehr gebraucht wird. Außer man zerreißt sich zufällig den Meniskus, natürlich. Und als ob das alles nicht schon genug des Elends wäre, preist gerade heute ein Kleidungshersteller per Mail auch noch ganz was Neues an, nämlich »Performance Wear«, denn einfach nur Klamotten anzuziehen, weil man sie hübsch findet, geht offensichtlich auch nicht mehr. Angezogensein ist anscheinend jetzt Leistungssport.