Die Grünen und ihre Minister

»Nach 100 Tagen kommen die Stützräder ab«

Die Pläne der Ampel.
Die preisgekrönte Reportage Von

»Es ist nicht ganz, was ich mir gewünscht habe, aber insgesamt haben wir uns in vielen wichtigen Punkten durchsetzen können.« So resümiert Annalena Baerbock die aktuellen Diskussionen über die Frage, ob sie als Familie dieses Jahr Weihnachten zu Hause feiern können oder doch wieder zu den doofen Schwieger­eltern nach Trier müssen. »Kurzum: Daniel wird in diesem Fall das ›Außenministerium‹ erhalten und wegfahren, während ich ganz normal zu Hause hocke und mich mit selbstgebastelten Geschenken ›überrasche‹.« Eine ebenso pragmatische wie persönliche Lösung, die vielleicht typisch ist für die sogenannte Ampel.

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Zuletzt hatte es noch eine Debatte über die Personalien Cem Özdemir und Claudia Roth gegeben. Der desi­gnierte Landwirtschaftsminister Özdemir war sehr kurzfristig gegen den Favoriten Anton Hofreiter eingewechselt worden: »Ich hätte dem Cem noch ein, zwei Ehrenrunden in der Fraktion gegönnt«, lässt sich der ­väterliche Robert Habeck zitieren. »Ein, zwei Legislaturen, in denen er sich in Ruhe auf ein Bundesamt vorbereiten kann. So ein Kabinett ist doch ein Haifischbecken. Vor allem, wenn ich drin schwimme, hahaha!« Dennoch werde man das »Risiko« Özdemir mittragen: »Nach 100 Tagen kommen die Stützräder ab!« Ganz ähnlich steht es um Claudia Roth, die kurzfristig das Amt der Kulturstaatsministerin übernehmen wird. »Die Claudia hat Ton Steine Scherben ­gemanagt – aber kann sie auch Museen, Gedenkstätten, dieses affige Raubkunstschloss in Berlin? Ich hoffe, da schreien nicht ganz viele Künstler: ›Wir müssen hier raus!‹«

Bisher fällt die grüne Handschrift unterm Koalitionsvertrag recht krakelig aus: »Gut, die FDP hat das Verkehrs- und das Finanzministerium, aber wir sind trotzdem zuversichtlich, dass wir die Mobilitätswende irgendwie an beiden Ministerien vorbeischmuggeln können. Werfen Sie da mal einen 1 000-Euro-Schein auf den Flur, dann sind die doch alle für mindestens zehn Minuten abgelenkt!« Auch auf dem Wohnungsmarkt konnte sich die FDP fast überall durchsetzen: »Die schlechte Nachricht: Schlupflöcher für Mieterhöhungen bleiben bestehen. Die gute: Dafür wollen wir Schlupflöcher schaffen, damit Mieter schneller aus- und umziehen können. Zum Beispiel ins Erzgebirge, da sind jetzt viele Wohnungen frei geworden!«

 

Aus der Urteilsbegründung: Leo Fischers preisgekrönte ­Reportagen sind in hohem Maße fiktiv. Ähnlichkeiten mit realen Personen und Geschehnissen sind unbeabsichtigt.